Ich finde Synchronizitäten immer faszinierend. Der Begriff stammt von C.G. Jung, über den man ja denken kann, was man will (ich persönlich finde bei ihm – wie bei vielen anderen – die Vermischung von Wissenschaft und einer anderen Symbolebene, der Spiritualität, schwierig). Er bedeutet, dass zwei Ereignisse nicht kausal miteinander verbunden sind, aber dennoch aufeinander bezogen sind. Die meisten sagen wohl dazu „Zufälle“.
So dachte ich beim letzten Frühlingsspaziergang durch den Trommwald viel darüber nach, wie wichtig es ist, herauszufinden – und optimalerweise auch zu leben –, was man wirklich will. Ich habe ja das Glück, in einer Familie aufgewachsen zu sein, in der Unabhängigkeit auch im Denken sehr großgeschrieben wurde. „Was sollen nur die Nachbarn sagen?“ kam im Wortschatz meiner Eltern nicht vor. Gleichzeitig hatten sie selbst ziemlich hohe und manchmal auch strenge Ansprüche daran, wie man zu sein hat.

Wer bin ich? Wer will ich sein? Wie will ich sein? Wie gelange ich dorthin? – Das waren alles Fragen, die mich lange sehr beschäftigt haben, vor allem in meinen 20ern und frühen 30ern. Und auch immer wieder: Wie balanciere ich in meinem Leben mein Bedürfnis nach Sicherheit und den Drang nach Freiheit aus? Und auch: Wie bringe ich meine individuellen Bedürfnisse überein mit einer sinnvollen Rolle in der Gesellschaft?
Für mich ist die heutige Zeit sehr widersprüchlich in ihren Ansprüchen an das Individuum. Zum einen ist man heute in einem Land wie diesem so frei wie wahrscheinlich selten anderswo oder zu einer anderen Zeit – zumindest nach dem Gesetz.
Andererseits sind (nicht zuletzt durch die Social-Media-Dauerbeschallung) die gesellschaftlichen Kontrollmechanismen groß: wie man – und Frauen erst recht – zu sein hat, auszusehen hat, zu denken, zu fühlen, zu handeln hat… Sich davon zu distanzieren, ist nicht leicht und braucht manchmal auch Mut.
Diese Ansprüche von außen etwas wegzuschieben, um herauszufinden, was man selbst wirklich will – das ist ein Stück Arbeit. Ich bin glücklicherweise immer wieder in zwischenmenschliche Konstellationen geraten, die mich dazu anspornten, mich diesen Fragen zu stellen – sei es durch einen intelligenten Partner, interessante Freigeister, befreundete Psychotherapeutinnen oder auch Frauengruppen, in denen ich mitwirkte.
Was passieren kann, wenn man diese Arbeit nicht macht, sehe ich leider bei manchen Mitmenschen auch – eine tiefe Unzufriedenheit im Leben oder auch eine Leere, die sich dann durch körperliche und seelische Krankheiten Bahn bricht.
Ach ja, und wegen der Synchronizität: Als ich heimkam, zeigte mir mein Feedreader einen neuen Beitrag von Antje Schrupp (deren Texte ich schon seit etlichen Jahren gerne lese) mit dem Titel: Feminismus bedeutet, herauszufinden, was du willst.
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