Lesen, Wandern, Palavern

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Wilde Leute

Sagenhafte Felsformationen gibt es ja im Odenwald en masse. Jetzt haben wir mit dem Wildleuthäusl (mal wieder) eine besucht, die in zweierlei Hinsicht etwas Besonderes ist. Obwohl nicht weit vom beliebten Aussichtsturm auf der Tromm gelegen, ist sie nicht so leicht zu finden und auf vielen Karten nicht ganz korrekt angegeben (ganz unten findet ihr die Koordinaten). Und dann gehören diese Steine zu jenen, die der Sage nach von wilden Leuten bewohnt wurden oder werden.


Es ist ein durchaus beeindruckendes Felsensemble, das man dort vorfindet, in Quaderform verwitterte Steine sowie Spalten und Mini-Höhlen laden dazu ein, hier rastende wilde Gestalten zu imaginieren. Tatsächlich fanden wir auch Reste eines Lagerfeuers (wobei ich hoffe, das ist schon länger her, der Wald brennt aktuell hier wie Zunder nach langer Dürre). Ein Mountainbiketrail führte hindurch. Der beste Ehemann von allen und ich sind da mit Vergnügen herumgeklettert (festes Schuhwerk zu empfehlen). Es gibt eine Infotafel zum Trommgranit am Wildleuthäusl, die allerdings von den Felsen ein ganzes Stück entfernt steht.
Eine konkrete Sage zum Wildleuthäusl auf der Tromm kenne ich nicht, habe nur im Hinterkopf, dass dort auch die Hölzerlipsbande gerastet haben soll. Ansonsten gleichen sich die Sagen an solchen Orten.

Mein wilder Mann

Was sind denn wilde Leute der Sage nach?
Sie gehören zu den Erdgeistern, ähnlich wie Elfen oder Zwerge. Als wilde Leute oder wilde Frauen sind sie vom Alpenraum bis Skandinavien verbreitet. Die Erscheinung der wilden Leute variiert je nach Region; im Odenwald sind sie als Männer klein und behaart, die Frauen meist schön. Manchmal treten die Männer als Riesen auf. Sie sind eher umgänglich (wenn sie nicht gerade Kinder stehlen), geben Ratschläge für die Aussaat und helfen bei der Feld- und Hausarbeit. Man darf sie aber nicht beleidigen oder ärgern, weil sie sich dann rächen. Dafür mögen sie es, wenn man ihnen Speisen und Trank anbietet – aber bitte keine Kleider (sie sind oft eher kärglich bekleidet, wenn überhaupt), das beleidigt sie. Ebenfalls konnte man die freundlichen Hilfsgeister damit vertreiben, dass man ihnen hinterherspionierte. Geschah dies, so kamen sie nicht wieder.

Eine gern verbreitete Theorie über die realen Hintergründe der wilden Leute ist, dass es sich um Heiden handelte, die vor der Christianisierung flohen und lieber im Wald hausten, als sich der neuen Religion zu unterwerfen. Ich vermute, diese Geschichten sind irgendwann zwischen Romantik und Nationalsozialismus entstanden, ist doch der Odenwald im Bereich des ehemaligen Klosters Lorsch schon früh christianisiert worden.

Fakt ist aber auch, dass sich Außenseiter, Obdachlose, Kriminelle und Deserteure bis ins 20. Jahrhundert zeitweise oder auch dauerhaft in den Wäldern des Odenwaldes in Höhlen oder primitiven Behausungen versteckten. Ein bekannteres Beispiel (nach dem ein Bier benannt wurde) ist der „Dachsenfranz“, der vor allem im Kraichgau unterwegs war.
https://de.wikipedia.org/wiki/Dachsenfranz

Es lassen sich ansonsten Parallelen zwischen den wilden Leuten und dem Grünen Mann ziehen; diese Gestalt mit Blättern und Ranken im Gesicht symbolisiert die Macht der Natur.
https://de.wikipedia.org/wiki/Gr%C3%BCner_Mann

Der „Wilde Mann“ hat als Name von Gaststätten und als geschnitzter Schmuck bei Häuserbalken oder auch als Fachwerkmuster überlebt.

Weitere Behausungen der wilden Leute:

Wildeleute-Stein bei Ober-Flockenbach
Wildweibchenstein bei der Ruine Rodenstein
Das Wildfrauenhaus bei Fischbachtal-Lützelbach
Das Steinschloss bei Scheuerberg

Das Wildleuthäusl auf der Tromm
Koordinaten: 49°36’30.0″N 8°48’23.9″E
Plus Code JR54+8MJ Rimbach

Tourist in Heidelberg

Gestern durch Heidelberg spaziert. Fünfeinhalb Jahre bin ich dort als Studentin Tag für Tag durch die Fußgängerzone gelaufen, zum Politischen Institut am Marstall, zu den Soziologen irgendwo an der Triplex-Mensa, zum Vorlesungsgebäude mit der Überschrift „dem lebendigen Geist“ am Uniplatz, zum psychologischen Institut vorne in der Fußgängerzone, wo Bunsen davor wacht.

Bunsen vor dem psychologischen Institut

Ein schöner Tag war es. Geparkt hatten wir im Neuenheimer Feld, wo die Parkhäuser nicht ganz so teuer sind. Hier waren wir ewig nicht mehr, der beste Ehemann von allen hatte dort mal studiert, aber alles sah anders aus, große Gebäude, Tiefgaragen, Supermärkte, öffentliche Kunst. Wir standen vor dem großen „Mathematikon“ und fragten uns, was da wohl abseits von der mathematischen Fachschaft drin sein mag, denn so viel Platz brauchen die doch nicht, oder?

Auch sonst wurde und wird viel gebaut in Heidelberg, überall Häuser, die abgerissen, neue, die erbaut werden, gesperrte Straßen.

Im Neuenheimer Feld am Mathematikon

Wir sind mit Straßenbahn und Bus zum Königstuhl hochgefahren und dann durch die Wälder hinunter zur Stadt gelaufen. Im Bus spielten zwei junge Mädchen irgendein Ratespiel um Filmpersonen, das ich nicht ganz verstand; später fragten sie um Hilfe, weil sie auch in die Stadt zurücklaufen wollten und nicht recht wussten, wo es langging.

Auch oben am Königstuhl waren viele Menschen, aber kaum hatte uns der Wald verschluckt, waren wir allein.

Das änderte sich kurz vor dem Schloss, wo sich die Massen durch das Burgtor schoben. Auch in der Fußgängerzone so viele Menschen. Immerhin sahen die Läden noch gut aus, zwar nicht mehr so viel alternatives Zeug in Hinterhöfen wie früher, aber auch nicht lauter Ein-Euro-Shops. In der unteren Gasse ein Headshop. Da gab es vor 30 Jahren auch schon einen, wo Studenten und kichernde Odenwälder Halbstarke lange Papierchen kaufen konnten.

Das Heidelberger Schloss

Ich muss gestehen, auch zu Studienzeiten war ich kein eingefleischter Heidelbergfan. Ja, die schöne historische Altstadt, die Landschaft, aber alles wirkte für mich damals künstlich.

Wenn ich an mich im Studium denke, sehe ich mich immer im Herbst oder Winter, wenn der Wind kalt durch die lange Fußgängerzone pfiff und nur wenige Touristen die Stadt erkundeten, wenn alles grau war und trostlos und ich Bauchweh hatte, weil das Mensaessen so schlecht geschmeckt hatte oder ich mich vor dem nächsten Seminar fürchtete. Wobei, ich habe zumindest einige Dinge ganz gern studiert, ging angetan in Veranstaltungen des in Politologenkreisen damals sehr verehrten Professors Klaus von Beyme, bei dem ich zum Glück damals meine Magisterarbeit schrieb. Wir nannten ihn ob seines großen Wissens und des ausladenden Schädels „der Mann mit den zwei Gehirnen“. Manchmal fuhr er mit einer russischen Fellmütze auf dem großen Kopf mit dem Rad zum Institut. Auch bei den Psychologen war ich gerne. Aber es war trotzdem nicht meine beste Zeit im Leben, vielleicht lag es an der schimmligen Einzimmerwohnung in Leutershausen, in der wir damals hausten.

Hier saß ich oft in Vorlesungen

Aber wenn ich mich heute in Heidelberg umsehe, werde ich weder nostalgisch, noch spüre ich das alte Bauchweh. Ich bin Touristin unter zehntausenden Touristen, die alle Sprachen zu sprechen scheinen. Leute rempeln mich an, ich komme mir etwas urig vor mit kurzen Wandershorts und Wanderstiefeln und aufgehauenem Knie, als würde mir auch noch Stroh im Haar hängen. Und ich erkenne, ich bin doch endgültig ein richtiges Landei geworden.

Heidelberg von oben

Pfälzer Sandstein

Typischer Südpfälzer Ausblick: Wald und Sandstein

Wir waren in der südlichen Pfalz, eine Woche mit viel Wandern und viel Weißweinschorle, so nah an der französischen Grenze, dass wir von unserer FeWo dorthin in einem kurzen Spaziergang hinwandern konnten. An manchen Orten wie auf dem Maimont gab es Spuren des Zweiten Weltkriegs, aus den Grenzsteinen hatte man damals das französische F herausgeklöppelt. Aber heute spielt diese „Erbfeindschaft“ zum Glück keine Rolle mehr, man merkt kaum, wenn man die Grenze überfährt. Wie kann das irgendwer wollen, denke ich, hier die Zeit zurückdrehen, Grenzposten, Schranken, Zoll!

Unsere FeWo in einem kleinen Dorf war sehr schön und wurde als LGBTQ-freundlich beworben, was in den verschlafenen Pfalzorten ungewohnt urban wirkte. Ich nehme an, dass sie das Etikett bekommen hat, weil zwei freundliche Frauen das Vermieterpaar waren.

Bis auf kleine Fachwerkorte und das verschlafene Städtchen Dahn gibt es dort genau drei Motive für die Kamera: hohe, steile und nur mit viel Schweißeinsatz zu erklimmende Hügel, dicht bewaldet, darin mehr oder weniger versteckt viele interessante Sandsteintürme, die teilweise Statik und Schwerkraft verhöhnen, und viele kleine und größere Burgen, die den Türmen ähneln oder auf ihnen thronen, in sie hineingehauen, oben auf die Türme hinaufgebaut oder an sie angelehnt worden waren.

Ich habe die Geschichte dieses deutsch-französischen Grenzgebiets noch nicht ganz verstanden, auf den (relativ wenigen) Infotafeln war die Rede von diesem Herrscher und jenem, aber wieso so viele Adelige in die heute so menschenleeren Wälder ihre Burgen bauten, erschließt sich mir nicht ganz.

Trotz Gästebeitrag und vielen schönen, steilen ausgeschilderten Wanderwegen fand ich die Gegend, die nahtlos in die nordfranzösischen Vogesen übergeht, touristisch und auch sonst überraschend wenig erschlossen. Zu einem Supermarkt fährt man ein Stück, Tankstelle dito, viele Geschäfte und Restaurants sind endgültig oder aber (ausgerechnet) jetzt zur Ferienzeit wegen Urlaub geschlossen; wenn es irgendwo Veranstaltungen oder Museen gab, habe ich das online nicht gefunden. In Frankreich schien mehr los zu sein, vor allem rund um die Ruine Fleckenstein.

Das Biosphärenhaus, das ich anschauen wollte, ein Lost Place, ein Doppel-Lost-Place war die Area 1, ein ehemaliges Militärlager, wo wohl auch mal Atomwaffen lagerten. Doppel-Lost-Place, weil das mal vor 15 Jahren eine Art Outdoor-Museum werden sollte, von dem inzwischen auch schon verwitterte oder umgefallene Infoschilder zeugten. Dafür gab es viel Graffiti, irgendwo muss es also auch Dorfjugend geben.

Und so passte es auch zur Waldeinsamkeit, dass ein Unwetter an einem Abend über uns hinwegfegte, die vertrockneten Wiesen wurden weiß unter Hagel, wie wir aus der sicheren Ferienwohnung heraus beobachteten. Der Strom fiel aus und blieb bis tief in die Nacht weg, wir saßen bei Kerzenschein und hörten ein paar Folgen der drei ???, die der Mann noch von meiner letzten Krankheit auf dem Handy gespeichert hatte, damit ich im Fieberwahn etwas anzuhören hatte.

Neben Wandern und Dinge aus Sandstein anschauen habe ich auch recht viel gelesen, unter anderem die Autorin Olga Tokarczuk entdeckt.

Besondere Pfälzer Spezialitäten sind mir nicht untergekommen, von den wirklich immer leckeren Pfälzer Weißweinen mal abgesehen. Aber mit veganen Restaurants oder auch nur Optionen habe ich auch nicht gerechnet.

Für eine Woche Wanderurlaub war es eine schöne Gegend. Das nächste Mal fahre ich aber lieber im Herbst hin, dann ist das Wandern leichter und man kann „Keschde“ sammeln 🙂

Dune

Die letzte Wochen, genauer die letzte Tage, hatten mal wieder ein paar nervige Dinge mit im Gepäck. Ihr wisst schon, solche „oh, hatte ich nicht schon gesagt, dass wir den Zahn ziehen müssen?“ und auch „Uih, das sollte man abklären“-Dinge. Blöde Dinge, nervige Dinge – wenn ich bei irgendetwas ein dünnes Nervenkostüm habe, dann ist das alles rund um das Thema Arzt und Krankheit.

Und wie es so ist, wenn man gestresst ist, kommen auch immer noch gleich ein paar weitere nervige Sachen in Job und sonstwo oben drauf. Aber ich beschäftige mich ja zum Glück lange genug mit Psychologie, damit ich relativ schnell wieder auf die Spur komme. Ein lieber Mann und die allertollsten Freundinnen der Welt sind dabei eine ungeheure Stütze.

Wie auch immer, heute hatten der beste Ehemann und ich Lust, mal außerhalb unserer üblichen odenwaldhügeligen Gefilde zu wandern. Stattdessen steuerten wir eine Landschaft mit Dünen und Kiefernwäldern an, bei der man oft das Gefühl hat, man befindet sich irgendwo an der Ostsee oder gar am Mittelmeer. Aber in Wirklichkeit ist man nur irgendwo zwischen Viernheim und Mannheim.

Dünen wie die hier findet man im Oberrheingraben an einigen Stellen. In Viernheim kann man die Dünen auch deswegen besonders gut sehen, weil das US-Militär hier bis 1994 einen Truppenübungsplatz hatte. Dadurch entstanden freie Flächen, wo der Sand wieder zum Vorschein trat und die eine besondere Vegetation anzogen. Damit diese Flächen nicht weiter verbuschen, werden sie auch beweidet; wir sind heute einer Herde Schafe begegnet.

Entstanden sind die Dünengürtel am Ende der letzten Eiszeit aus Flugsand. Das Naturschutzgebiet Glockenbuckel, von dem ich rede, befindet sich am Westrand von Viernheim und kann gut über den Parkplatz Sandgabe oder Lampertheimer Straße erkundet werden. Es gibt zahlreiche markierte Wanderwege, vor allem rund um den Karlsstern bei Mannheim-Gartenstadt. Dort gibt es ein paar Tiergehege, Gastronomie (glaube ich), einen Vogelpark und Kinderspielplätze. Jetzt am Wochenende war dort dementsprechend viel los, und man hätte sich da auch niederlassen und Mannheimer Originale beobachten können, die da mit Kind und Kegel unterwegs waren.

Interessant in dem Gebiet sind auch Reste der alten Einrichtungen des US-Militärs. So gibt es neben vielen alten Betonresten auch Überreste alter Bunker. Dort sind wir heute nicht hingelaufen, sondern haben uns lieber Hirsche und Vögel am Karlsstern angeschaut. Die Gehege für die Hirsche sind sehr weitläufig, es gab einige Bambis zu sehen. Die Volieren im Vogelpark waren zwar auch eher groß, aber mir tut es dann doch leid, Vögel, besonders Greifvögel, hinter Gittern zu sehen. Ebenfalls interessant sind an der Grenze Hessen (Viernheim) zu Baden-Württemberg (Mannheim) historische Grenzsteine.

Wenn ihr da auch mal laufen wollt – es gibt unendlich viele markierte Wege, denen man folgen kann. Es empfiehlt sich aber manchmal eine Wander-App, wenn man wie wir die schmaleren Pfade bevorzugt. Da alles eben ist, sind Spaziergänge oder Wanderungen dort nicht anstrengend.



Hier beim Geopark und hier beim Regierungspräsidium könnt ihr euch Infoflyer zum Glockenbuckel herunterladen und mehr über das Biotop erfahren.

Jahresabschlusspuderzucker

Hätte ich gerade keinen Urlaub, hätte ich sicher heute von meiner Redaktion den Auftrag bekommen, „Verkehrschaos im Odenwald wegen Schnee“ zu fotografieren. Da muss ich immer etwas schmunzeln; meine Kolleg:innen an der Bergstraße unterschätzen den Odenwälder doch ein bisschen, was seine Fähigkeiten angeht, mit Eis und Schnee umzugehen. Vor allem, wenn es sich wie heute um nicht mehr als eine dünne Puderzuckerschicht handelt, die nett anzusehen war, aber in der Mittagssonne auch schnell verschwand.

Blick von der Kreidacher Höhe Richtung Westen und Rheinebene

Heute Morgen war es sehr neblig. Nach einem Blick auf die in solchen Wetterlagen immer sehr praktische Webcam auf dem Trommturm sah ich, dass oben die Sonne schien. Also tuckerte ich auf die Kreidacher Höhe hinauf, um dort ein bisschen zu spazieren. Leider muckt aktuell mein Knöchel etwas herum, weswegen ich auf dem dortigen Kunstwanderweg langsam ging und nicht furchtbar weit. Aber ich habe euch ein paar Impressionen mitgebracht.

Ansonsten wundere ich mich, dass meine großzügig bemessenen Winterferien schon wieder fast halb vorbei sind. Schlauerweise habe ich es diesmal aus Erfahrung vermieden, mir sehr viele Dinge vorzunehmen. Verwandtenbesuche an Weihnachten, das alljährliche Rauhnachtscafé mit Freunden, dazu noch ein paar Dinge, die ich nicht ganz vermeiden kann wie Umsatzsteuererklärung und Passfotos sowie ein paar organisatorische Dinge rund um unsere Geopark-Gruppe — selbst das kommt kaum in die Pötte

Ein Schwarm Distelfinken

Aber das soll und muss vielleicht auch einfach mal so sein zwischen den Jahren, wenn es selbst bei Sonnenwetter so viel dunkel ist. Ich schreibe Träume auf, die sich fast alle um meine Arbeit drehen, und habe keine rechte Lust auf einen Jahresrückblick.

2025 war zäh. Die Wechseljahre hatten mich vor allem im Sommer schlimm in der Mangel, und überall um mich herum sehe und sah ich Freund:innen und Bekannte mit der psychischen und körperlichen Gesundheit hadern. Dazu noch alles draußen in der großen Welt, die so viel kälter und härter ist als meine 70er-Jahre-Bude und meine verständigen Freunde hier im plüschigen Auenland.

2025 in einem Wort? Erschöpfend.

Good Omens in Zwingenberg

Heute haben der beste Ehemann von allen und ich einen Ausflug in die Kleinstadt Zwingenberg an der Bergstraße gemacht.

Marktplatz von Zwingenberg

Die Anfahrt wurde durch einen Auffahrunfall unterbrochen; zum Glück bekam das Auto des werten Gatten als erstes in der Kette nur ein leicht verdelltes Kennzeichen ab. Nach meiner Betonmischer-versus-Smart-Erfahrung im September hätten wir auch mehr nicht gebraucht.

In Zwingenberg liefen wir den Geopark-Lehrpfad „Blüten, Stein und Wein“ entlang. Der ist erst wenige Jahre alt, und ich kannte ihn noch nicht.
https://geo-naturpark.net/pfade/zwingenberg-blueten-stein-und-wein/

Erster Punkt war dabei die Scheuergasse (s.o.), ein ehemaliges Scheunenviertel. Heute ist sie sehr schön renoviert, mit einigen künstlerischen und gastronomischen Akzenten. Es gibt dort auch ein Heimatmuseum, das allerdings nur im Sommerhalbjahr geöffnet ist.
Mehr zur Geschichte findet man hier:
https://die-scheune-zwingenberg.de/geschichte/

Dann ging es hinauf Richtung Weinberge. Dort beginnt auch der Nibelungensteig, ein beliebter Etappenwanderweg, der quer durch den Odenwald führt.

Der Lehrpfad ging weiter hinauf zu einem alten Steinbruch und dann noch etwas hinaus zur Blockhütte auf dem Luciberg. Was für ein Ausblick auf die Rheinebene! Dort gibt es auch einige tolle Pflanzen und Tiere, wovon auch das Naturschutzgebiet dort zeugt. Von ihnen war allerdings jetzt im Winter nicht so viel zu sehen.

Blick auf Zwingenberg
Blick Richtung Starkenburg (Heppenheim)
Blick Richtung Mannheim

Dann schauten wir uns noch in der Altstadt um. Wir stiegen auch hinauf zur Bergkirche. Das ist ein beeindruckendes altes Kirchlein. 1258 wurde es erbaut, später dann erweitert. Seit 1527 ist es evangelisch. Wir flanierten um das geschlossene Kirchlein herum und sahen uns die Grabsteine an, als ein Mann in der Kirche auf uns aufmerksam wurde und uns hereinbat. Er erzählte uns ein bisschen von der Geschichte der Kirche, auch, dass es dort einmal fünf Altäre gegeben hatte und auch fünf Altaristen. Was das ist, erklärte uns in der Kirche der freundliche Mann und euch Wikipedia: Im Mittelalter war damit ein Angehöriger des Klerus gemeint, der die mit einer Altarstiftung verbundenen Dienste erfüllte, insbesondere die Zelebration der heiligen Messe zum Seelenheil des Stifters und ggf. seiner Familie und das Beten des Stundengebets.
https://de.wikipedia.org/wiki/Altarist

Der freundliche Mann meinte zum Abschied, er werde jetzt noch ein bisschen mit Gott Zwiesprache halten, bevor er sich für das neue Jahr bereit mache. Ich fand es eine sehr nette Begegnung

Groß ist Zwingenberg nicht, und bald waren wir wieder beim Ausgangspunkt, dem (großen und kostenfreien) Melibokus-Parkplatz. Aber kurz vorher hörten wir Vogelrufe in der Luft und sahen hinauf: Kraniche! Die haben für uns eine positive Bedeutung, und daher glauben wir, dass das ein gutes Omen wird für 2026.

Guilty Pleasure und die ollen Römer

Nun sind die Herbstferien schon eine Woche vorbei. Aber immerhin hatten wir am letzten Ferienwochenende noch einmal einen schönen Ausflug zum ganz anderen Ende des Odenwaldes gemacht – nach Osterburken. Dort hatten wir das Römermuseum besucht und sind durch die Stadt spaziert. Wir hatten auch erwogen, die nahe Tropfsteinhöhle Eberstadt zu besuchen, aber da waren gerade keine Plätze bei den obligatorischen Führungen frei, und angesichts des schönen Wetters war uns sowieso mehr danach, noch einmal eine Runde im Herbstwald zu drehen.

Herbstwald bei Beerfelden Mitte Oktober

Wieso guilty pleasure? Weil das Schönste am Ausflug eigentlich die lange (je 1,5 Stunden) Hin- und Rückfahrt quer durch den Odenwald war. „Spazierenfahren“ ist ja heute klimatechnisch kein applauswürdiges Hobby mehr. Aber ich verbinde damit immer schöne Zeiten mit meiner Mutter, die gerne mit mir im Odenwald herumgefahren ist. Vor der Zeit der Routenplaner waren wir bestenfalls nur mit einer Landkarte bewaffnet, und meine Mutter war durchaus experimentierfreudig, was seltsame kleine Schleichwege und unbekannte Straßen anging. Ich habe noch besonders gut eine Tour in Erinnerung, die von Siedelsbrunn durch den Wald ins Eiterbachtal und von dort an den Neckar führte.

Diesmal aber einmal Odenwald querbeet – genauer: Weschnitztal, Marbachstausee, Hetzbach, Schöllenbach, Mudau, Buchen, Osterburken. Zurück ging es ab Mudau durch den Reisenbacher Grund, Gaimühle, das Sensbachtal und Wald-Michelbach.

Wenn man aus dem verhältnismäßig urbanen und durch das kristalline Tiefengestein geprägten Weschnitztal kommt, ist der hintere Odenwald schon beeindruckend einsam an manchen Stellen. Besonders zwischen Hetzbach, das zu Beerfelden gehört, und Mudau fährt man lange durch dichte Wälder, die kaum einmal durch kleine Ansiedlungen unterbrochen werden. Die Landschaft ist auch anders durch die unterschiedliche Geologie. Während wir hier im kristallinen Odenwald eine kleinformatige Struktur haben, die viele kleine Täler und Hügel beinhaltet, hat der Sandsteinodenwald langgestreckte Höhenzüge und teils tief eingeschnittene Täler (was bedeutet, dass man Serpentinen und Steigungen nicht scheuen darf, wenn man dort entlangfährt). Das finden wohl auch Motorradfahrer reizvoll, aber manche Strecken dürfen von ihnen z. B. an Wochenenden nicht befahren werden. Die Gegend ist weniger fruchtbar, daher gibt es auch mehr Wald als Felder, und das Wetter ist dort ebenfalls rauer als hier in Bergstraßennähe.

Bei Mudau war die Landschaft Richtung Südosten mit dem Untergrund Muschelkalk wiederum eher flach mit einem weiten Himmel – auch das war reizvoll.

In Osterburken fanden wir das Römermuseum dort durchaus sehenswert. Es war angenehm leer, außer uns waren nur eine Familie und zwei ältere Herren da. Neben Fundstücken konnte man auch die Grundmauern eines antiken Badegebäudes anschauen. Die älteren Herren neigten allerdings dazu, sich sehr lautstark zu unterhalten, sodass man im halben Museum etwas davon hatte. In Osterburken konnte man sich außerdem den Rest des alten Römerkastells anschauen.


Den Ort selbst fand ich eher wenig aufregend. Mich erstaunte, dass das relativ kleine Städtchen (laut Wikipedia gut 6.600 Einwohner) einen so großen und prächtigen Bahnhof hatte. Friederike vom LandLebenBlog erklärte mir auf Bluesky, dass die Stadt schon seit jeher ein Bahnknoten gewesen sei, sowohl für badische als auch für württembergische Linien. Die hatten früher jeweils einen eigenen Bahnhof, weswegen es sogar zwei Stück gab. Und Osterburken lag auf der umsteigefreien Strecke Berlin–Rom. Wieder was gelernt! Heute wirkt das ehemalige Verkehrsdrehkreuz eher verschlafen.


Kleopatra-Barbie und Dom-Yggdrasil

Unser Urlaub neigt sich langsam dem Ende entgegen, seufz. Wir sind gerade ausnahmsweise beide gesund (seufz, seufz) und waren so zu einem Ausflug nach Speyer aufgelegt. Ich bin immer wieder überrascht, dass das ohne Berufsverkehr von unserem Odenwalddorf aus gerade mal gut 40 Minuten mit dem Auto dauert.

In Speyer hatten wir uns nun doch noch die Ausstellung „Caesar und Kleopatra“ angeschaut. Ich war ja etwas zögerlich gewesen, da die Dauerausstellungen im historischen Museum der Pfalz, die mich am meisten interessieren – Urgeschichte und Römer – zurzeit nicht besucht werden können. Außer der Sonderausstellung zu Caesar und Kleopatra (oder besser: zu ziemlich vielem rund um die ptolemäischen Pharaonen und die Römer dieser Zeit generell, aber dazu gleich mehr) konnte man nur noch eine kleine Ausstellung zum Domschatz und eine kleine Fotoausstellung anschauen. Ich gestehe, 17 Euro pro Nase fand ich dafür etwas happig. Aber nun gut.

Die Ausstellung war auch an einem Werktag überraschend voll. Anfangs fand ich das etwas nervig, nicht zuletzt, da es nach Mensch müffelte, und ein offenbar sehr bedeutsamer Herr, der sich in unserer Nähe herumtrieb, anderen bedeutsamen Herren sehr laut alles erklärte, was es in der Ausstellung zu sehen gab.

Wie schon gesagt – meine Befürchtung, in der Ausstellung nur die künstlerische Rezeption des berühmten Liebespaares Caesar und Kleopatra zu sehen, bewahrheitete sich nicht, auch wenn das natürlich Thema war (vor allem Elizabeth Taylor – von ihr gab es sogar eine Barbiepuppe im Kleopatra-Look).

Interessanter war die Geschichte der ptolemäischen Pharaonen, die in der Ausstellung gewürdigt wurde. Ich muss ja gestehen, dass ich nicht immer auf dem Schirm habe, dass Ägypten seit Alexander dem Großen von makedonischen, sprich mehr oder weniger griechischen Herrschern beherrscht wurde. Ich fand es interessant, wie Kunst und Religion der hellenistischen Welt und Ägyptens dann zusammenflossen. Es gab sogar mit Serapis einen Mischgott zwischen Osiris, dem Apis-Stier, Hades und Zeus. Manchmal denke ich, diese etwas mehr laisser-faire-Haltung mit Göttern könnte sich der Monotheismus abschauen, statt sich die Köpfe einzuschlagen über die Frage, wie Gott nun richtig heißt.

Mit der ägyptischen Götterwelt (oder den Götterwelten – es gab ja verschiedene Kultlinien wie jene von Memphis und Theben) bin ich nicht so sehr vertraut. Von Ptah-Sokar-Osiris, einem Gott, der als Mumie dargestellt wird und eine Mischform des Schöpfergottes Ptah und der Totengötter Sokar und Osiris darstellt, hatte ich noch nie gehört.

Rechts vorne: Ptah-Sokar-Osiris

Interessant fand ich auch, wie unterschiedlich Kleopatra zu ihrer Zeit bildlich dargestellt wurde. Dabei muss man allerdings einschränken, dass man bei vielen Statuetten usw. nicht sicher ist, ob sie wirklich sie (oder auch eine Vorgängerin – Kleopatra war immerhin Nr. 7) zeigen. Freude hatte ich (wie bei Römerausstellungen immer) an den Pimmelmännchen.

Die Ausstellung bot vor allem für Kinder viel Interaktives. Wenn es weniger voll gewesen wäre, wäre ich da auch mehr mit am Start gewesen. Immerhin konnte ich meinen Namen in Hieroglyphen schreiben. Der Chepresch zum Verkleiden war zu meinem Leidwesen nicht groß genug für mich.

Wir bummelten danach noch ein bisschen durch Speyer, ich aß eine Portion Pommes bei einer Fast-Food-Kette, von der ich geschworen hätte, es gäbe sie seit den späten 1990ern nicht mehr.


In das sehr sehenswerte jüdische Museum Speyers gingen wir dieses Mal nicht, liefen statt dessen ein bisschen durch die Stadt und gingen am Rhein entlang (Helmut-Kohl-Ufer!). Ich erfuhr außerdem, dass Brezeln irgendwie sehr typisch für Speyer sind, und stand an einer Brezel-Ampel.

Wir waren auch im Dom, den ich merkwürdig kalt und unspirituell finde für ein Gotteshaus mit so viel Geschichte. Wir schauten uns diesmal nur die frei zugänglichen Teile an, wobei ich die Sammlung der Reliquien immer wieder faszinierend finde. Eine liebe Bekannte von mir nannte den Katholizismus (dem sie selbst angehörte) manchmal „Euro-Voodoo“ – daran muss ich dabei denken.

Interessant fand ich im Dom auch einen großen bronzenen Kerzenhalter in Baumform, auf dem man neben merkwürdigen Ausgebilden auch allerlei Bronzetiere entdecken konnte. Ich nahm ein Infoblättchen mit. Dort wurde erklärt, der Baum stelle Gottes Schöpfung dar, die aus drei Wurzeln herauswächst. Die Schlange (habe ich nicht gesehen) stehe für das Böse, die Triebe für die zwölf Stämme Israels, die Rose (habe ich auch nicht gesehen) für Jesus.

Ich fand das Gebilde seltsam. Wenn die Tiere Gottes reiche Schöpfung darstellen sollten, warum dann solche, die in der christlichen Symbolik nicht sehr beliebt sind – wie Kröten, Insekten und Raben? Wieso hat der Baum drei Wurzeln – ein Charakteristikum, das ich von Yggdrasil kenne, das mir aber bisher von biblischen Bäumen nicht geläufig war?

Seltsam fand ich auch, dass im Infoblättchen der Künstler oder die Künstlerin nicht genannt wurde. Nachdenklich spendete ich dem Raben eine Kerze.

Jetzt habe ich ergoogelt, dass die Rose Maria darstellen soll, nicht Jesus. Geschaffen wurde das Ganze von der Dominikanerin Burghildis Roth in den 1980ern. Sie war wohl eine rührige Kunsterzieherin und Bildhauerin.

Das Gassbachtal

Nachdem ich die letzten Tage mit viel Husten und Schniefen verbracht habe und gar nicht oder nur sehr kurz spazieren war, geht es heute wieder etwas besser. Da es ein schöner, ruhiger Herbsttag ist, haben wir einen kleinen Spaziergang dort gemacht, wo ich auch mit meiner aktuell kaum vorhandenen Kondition laufen kann, ohne gleich ins Keuchen, Husten oder Schwitzen zu kommen.

Das Gassbachtal eignet sich dafür hervorragend; es ist ein sanft ansteigendes, sehr hübsches Odenwaldtal bei Gras-Ellenbach, einem Ortsteil von Grasellenbach.

Schön ist im Gassbachtal auch der Kunstweg, einer von 25, die die Sparkassenstiftung Starkenburg gesponsert hat. Dieser hier stammt aus dem Jahr 2012 und ist noch gut erhalten; ich erinnere mich noch an die Einweihung in meinem ersten Jahr als Lokaljournalistin.

Auch zwei Kneippanlagen findet man bei einer kleinen Runde, die auf der einen Seite des Tals hinaus- und auf der anderen wieder hinunterführt. Sie werden von Quellen gespeist; davon gibt es dort viele.

An einer dieser Quellen befindet sich ein Werk zum „Quellendank im Odenwald“, das die Künstlerin Gesine Wegener geschaffen hat – eine sehr interessante und spirituell inspirierende Künstlerin, die ich vor Jahren persönlich kennenlernen durfte. Die Werke an den Quellen danken dem Element Wasser.

Hier in der Region erarbeitete Wegener unter anderem an der Martin-Luther-Schule in Rimbach zusammen mit Schüler:innen eine Stelenanlage, die an jene jüdischen Kinder erinnert, die durch Kindertransporte vor dem Tod während der NS-Zeit gerettet wurden.

In Gelnhausen steht das m.W. erste Mahnmal, das an die Hexenverbrennungen erinnert; es heißt „Die Rufende“ und wurde 1986 von Wegener geschaffen.

Zurück zum Gassbachtal. Auch der Wald dort ist schön. Es gibt dort noch relativ viele Nadelbäume und dementsprechend viele Pilze. Essbare waren zwar keine dabei, die uns auf dem Spaziergang gereizt hätten, aber man muss ja nicht alles ausreißen und auffressen.

An der Felsenquelle im Gassbachtal findet man eine Gedenktafel für Professor Gerhard Beisinger, den „Kenner, Freund, Beschützer der Landschaft unserer Heimat“.

Ich gestehe: Der Name sagte mir zunächst nichts, also habe ich einmal gegoogelt. Beisinger war wohl in der weiteren Region als Lehrer tätig, ab 1924 in Heppenheim, und dort auch als Naturschutzbeauftragter aktiv.

In Antiquariaten konnte ich mehrere Bücher von Beisinger über Naturschutz und Naturschutzgebiete im Kreis Bergstraße finden. Anderswo wird er als „Pionier des Naturschutzgedankens“ bezeichnet, und es wird erwähnt, dass er sich sehr für den Naturpark Bergstraße-Odenwald (den Vorläufer des heutigen UNESCO Geo-Naturparks) eingesetzt hat.
1963 erhielt er das Bundesverdienstkreuz.
Wieder was gelernt!

Gerhard Beisinger

Man kann die Runde durchs Tal natürlich beliebig erweitern – zum Beispiel in Richtung Walpurgiskapelle, Hammelbach oder Weschnitzquelle, oder man stattet dem Café Bauer im Gassbachtal einen Besuch ab.

Gras-Ellenbach ist, wie ich schon einmal beim Thema Siegfriedquelle schrieb, ein Ort, der immer noch gerne von Tourist:innen besucht wird. Ich habe ein bisschen recherchiert und dabei festgestellt, dass der Ort allein im Juni 2025 fast doppelt so viele Übernachtungen wie Einwohner hatte.

Als Wander- und Ausflugsziel ist Gras-Ellenbach mit seinem leicht angestaubten Nibelungen-Charme und der prächtigen Natur auch für Tagesausflügler interessant. Und wer sich von Sahnetorten ernährt, muss nach meiner Recherche dort garantiert nicht hungern.

Wenn man das Gassbachtal entlangwandern will, muss man allerdings etwas Glück haben, um auf dem sehr kleinen Wanderparkplatz einen Stellplatz zu bekommen. Fast alle anderen Parkplätze gehören offiziell zu den umliegenden Hotels. Alternativ kann man etwa 200 Meter weiter an der Nibelungenhalle parken.

Mit dem Bus erreicht man den Ort aus Richtung Heppenheim mit der Linie 660, aus Richtung Weinheim mit der 681; beide Linien fahren stündlich, in den Stoßzeiten unter der Woche sogar halbstündlich.

Im lichten Klingen

Eines der ersten heimatkundlichen Themen, das mich interessierte, waren Odenwälder Sagen und Mythen sowie die Orte, um die es dabei geht. Das Interesse begann schon in der Kindheit, konkreter wurde es dann in meinen Zwanzigern, also vor einem halben Leben.

Ein Ort, der sagenhaft und, wie ich finde, auch sagenhaft schön ist, ist der Lichtenklinger Hof.

Er ist am besten von den Wanderparkplätzen Hardberg (Wald-Michelbach, Ortsteil Siedelsbrunn, beim Kloster Buddhas Weg) oder dem Parkplatz Lichtenklingen (im nördlichen Eiterbachtal) erreichbar. Tafeln informieren dort über die Wanderwege, die zu der Kapellenruine führen.
Der Wald dort ist schön, die Gegend als Ausflugsziel beliebt. Doch an Werktagen kann man trotzdem oft lange alleine unterwegs sein. Es gibt diverse Rundwanderwege, die man wählen kann.

Das Forsthaus

Der Lichtenklinger Hof hat drei Elemente: ein altes Forsthaus, das nicht mehr genutzt wird, eine Quelle, die als heilkräftig gilt, sowie die verfallene Kapellenruine „Sankt Maria im Lichtenklingen“.
Das Gelände wird bis heute genutzt: Immer um Mariä Himmelfahrt herum gibt es (seit 1980 wieder) eine Prozession dorthin mit Kräuterweihe. Besondere Kräutersträuße, hier auch Kräuterbuschen oder Würzbüschel genannt (mit diversen Variationen der Schreibweise), spielen im Brauchtum immer noch eine Rolle. Aber dazu ein andermal mehr.
Außerdem ist die Kapelle, weniger auch die Quelle, sichtbar Anlaufpunkt für Anbetung. Das erkennt man an dem bunten Sortiment von Dingen, die vor allem in der Kapelle abgelegt werden: Marienfiguren und -bilder, Kruzifixe, Kerzen, aber auch Blumen oder Opfergaben, die auf eine eher nicht-christliche Form der Anbetung schließen lasse

Die Kapelle wurde zum ersten Mal 1387 urkundlich erwähnt. In der Reformationszeit wurden die Gottesdienste eingestellt; das Kirchlein wurde 1563 vom calvinistischen Kurfürsten Friedrich III. zum Abbruch freigegeben. Um 1800 wurde eine der beiden Quellen in einem Brunnen gefasst, der bis heute Wasser liefert. Im 19. Jahrhundert ging das Gelände in staatlichen Besitz über; das Hofgut wurde zum Abbruch verkauft. Bis 1901 wurde noch das dortige Forsthaus genutzt.
Um den Verfall aufzuhalten, wurde die Kapelle ab 1910 restauriert.
Die Quelle und die Kapellenruine haben die Fantasie der Überwälder angeregt. So heißt es, dass die Quelle heilkräftig sei und schon zu vorchristlicher Zeit als heilig verehrt wurde. Zur tatsächlichen Heilwirkung ist zu sagen, dass das Wasser bei einer Untersuchung in den 1950er-Jahren erhöhte Magnesiumwerte aufwies, was medizinisch durchaus sinnvoll sein kann. Auf jeden Fall schmeckt das kalte Wasser vorzüglich; ich nehme immer gern einen Schluck dort.


Mit dem „uralten heidnischen Brauchtum“ ist es wie oft so eine Sache. Belegt wird das unter anderem mit dem Brunnenstock und seinen Symbolen: Blütenblätter, Rosetten und Pinienzapfen. Doch dieser Brunnenstock stammt nach meinen Informationen von etwa 1800. Da war das germanische Heidentum sogar im Überwald schon deutlich auf dem Rückzug, behaupte ich mal
Sagenhaft ist auch die Kapelle: So heißt es, nachdem sie in der Reformationszeit dem Verfall überlassen worden war, hätten einige Männer aus Unter-Abtsteinach die Marienfigur mit dem Jesuskind mit sich genommen, um sie in Sicherheit zu bringen. Doch auf geheimnisvolle Weise kehrte sie drei Mal in die alte Kapelle zurück. Erst der vierte Versuch, sie umzusiedeln, gelang. Es soll sich dabei um jene Figur handeln, die heute in der Unter-Abtsteinacher Kapelle steht.
Außerdem weiß die Sage von einer geheimnisvollen weißen Frau und von einem verborgenen Schatz zu berichten.

Wenn man vom Lichtenklinger Hof Richtung Siedelsbrunn läuft, kommt man noch an der schönen Liebfrauenbuche vorbei. Wie die zu ihrem Namen kam, der auf Maria hindeutet, weiß ich aber nicht.

Mehr Informationen vor allem zur Geschichte des Ortes findet man unter anderem in der Abtsteinacher 1000-Jahr-Chronik, die der Heimatforscher Dr. Peter W. Sattler herausgegeben hat.

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