Summer moved on – kennt ihr das Lied von A-ha? Ich habe mal gelesen, dass sich darin der längste gehaltene Ton der Popgeschichte findet.
Mitte August. Die Zeit verrinnt, die Arbeit hat wieder begonnen, wie üblich eher zaghaft, solange noch Sommerferien sind und kurz danach. Heute gehen für mich die politischen Sitzungen wieder los. Das bedeutet zwar viele Abendtermine, aber noch ist ja nicht Winter, wenn es für mich schwer ist, mich in der dunklen kalten Nacht noch mal nach draußen zu wagen.
Wirklich beklemmend war für mich in diesem Sommer die Hitze und die Dürre, die auch meine Heimatregion seit Mai im Griff hatte und nun zaghaft endet. Jetzt haben wir normale Spätsommertemperaturen mit 23–25 Grad, die einen fast frösteln lassen, und endlich wieder halbwegs normal schlafen. Ich bin 52, ich brauche in diesem Lebensabschnitt wirklich nicht noch Wärme von außen, um im Bett zu schwitzen. Ein paar Regentropfen helfen auch, wobei die großen Wolken immer noch hämische Bögen um meine Gegend ziehen. Ich habe den Fehler gemacht, in das von mir nicht mehr genutzte Facebook hineinzuschauen, was denn der deutsche Bürger jenseits des linksgrünversifften Fediverse darüber denkt, und stieß auf einen Schwall von „das war schon immer so, das macht nichts“, und auch die Großbrände hätten nichts mit der, na ja, vielleicht doch ein bisschen übertriebenen Wärme zu tun, die wiederum nichts mit den Menschen zu tun hat…
Wir sind so lost, denke ich. Und ich unterdrücke diese „na ja, müssen wirklich alle wählen in einer Demokratie, kann man da nicht ein paar Hürden einbauen“-Gedanken, Zynismus hilft nicht weiter.
Was habe ich den Hitzesommer über gemacht? Immer noch jeden Tag draußen herumgelaufen, oft früh am Morgen. Ich habe viel, viel, viel geschwitzt. Ich habe viel Bier getrunken, mit und ohne Alkohol, und manchmal wochenlang fast nichts Warmes gegessen. Ich habe mich damit beschäftigt, ob ich einen Fernlehrgang absolvieren soll, und mir entsprechendes Infomaterial zuschicken lassen. Ich habe für meinen Geschmack viel zu viel Kontakt mit Ärzten gehabt und bibbere schon wieder vor ein paar Ergebnissen von Checks und einer nahenden unangenehmen Zahnarztsache, auf die noch mehr und sehr teure folgen werden. Ich habe einen kleinen Frauenurlaub im Harz mit einer Freundin gebucht.
Ich habe sehr viel gelesen, denn was sollte man sonst den ganzen viel zu heißen Sommer lang machen? Ich bin ja beim Lesen Jägerin und Sammlerin, Bücher fallen mir in die Hand, ob nun in unserem öffentlichen Bücherregal oder der schönen Stadtbibliothek in der nächsten Stadt, und wenn mir von einem Autor was gefällt, besorge ich mir mehr. Rund 25 Bücher waren es seit Anfang Mai, das ist relativ viel. Ich fand eine Biographie über die Manns lohnenswert (Tillmann Lahme, Die Manns), wo jenseits aller Ehrfurcht vor dem ach so großen Thomas Mann die doch sehr dysfunktionale Familie anschaulich dargestellt wurde. Ich habe Robert Seethaler entdeckt, Der Trafikant, Die weiteren Aussichten, Das Feld und Ein ganzes Leben gelesen. Der Stil hat mir sehr gefallen. Ich war von „Die Auferstehung“ von Andreas Eschbach ganz gut unterhalten, das ist ein Roman über die drei Fragezeichen als Mittfünfziger. Ich habe die ???-Kassetten als Kind geliebt, war ein bisschen in Peter Shaw verliebt und habe die Geschichten noch lange ins Erwachsenenalter hinein zum Einschlafen gehört.
Eine Neuentdeckung war die polnische Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk, ich las Unrast, Die grünen Kinder und Der Gesang der Fledermäuse – herrlich! Ich habe mal wieder Marshall Rosenberg, Gewaltfreie Kommunikation, gelesen und mir vorgenommen, ein bisschen was davon mitzunehmen in den Alltag. Und ich habe mit „Frau Komachi empfiehlt ein Buch“ von Michiko Aoyama auch mal wieder was aus einer meiner liebsten Literaturgegenden gelesen, aus Japan.
Ach, wenn es keine Literatur gäbe, wie wäre das Leben so traurig und öde.
Jetzt hoffe ich auf viel, viel mehr Regen als die 28,5 Tropfen, die hier heruntergekommen sind, und einen schönen Herbst, in dem sich die Natur wieder etwas erholt.
Auf Bilder teilen habe ich gerade wenig Lust, die zeigen nur Steppen und braune Blätter.
PS: Ich habe gegoogelt: Bei Summer Moved On hält Morten Harket einen Ton 20,2 Sekunden. Es gibt zwar einen etwas längeren Ton von Axl Rose, der aber nicht so stabil und klar ist. Also hat mein Teenagerschwarm da tatsächlich die Nase vorn.



































