Nachtlande

Lesen, Wandern, Palavern

Februar-Fastnachts-Blues

Februar ist für mich ein ätzender Monat. Der Winter (der dieses Jahr sogar mal seinen Namen verdient) hat sich dann schon zu lange hingezogen, das graue, nasse, kalte Wetter steht mir sonstwo, aber statt Frühling gibt es erst einmal Fastnacht.

Aber ich kann mit den hier üblichen Fastnachtssitzungen einfach wenig anfangen. Vielleicht denkt ihr jetzt, ich bin einfach nur eine Spaßbremse oder elitär-arrogant à la huhu, Frau Doktor goutiert nicht die derben Dorfscherze. Das ist es nicht. Ich kann mich auch sehr niveaulos amüsieren, ich habe schon in Ausstellungen mit mittelalterlicher Kunst ganz unangemessen Tränen gelacht.

Wie ich bei Friederike vom Landlebenblog schon schrieb: Ich sage den Odenwäldern manchmal, das sei einfach genetisch mi der Fastnacht und mir, preußische Vorfahren und so weiter. (Hm, wenn ich es recht bedenke: Den Humor des Ostpreußen Loriot habe ich immer schon geliebt.)

Als Lokalreporterin habe ich dennoch viele, viele, viele Sitzungen in den letzten 14 Jahren besucht. Manche finde ich durchaus unterhaltsam – es gibt eine immer lustige Weiberfastnacht einer KDFB-Gruppe –, manche eher etwas langweilig. Früher war ich auch hin und wieder auf Veranstaltungen von Vereinen, wo der Top-Act des Abends ein älterer Mann war, der eine halbe Stunde Herrenwitze verlas oder es schwerpunktmäßig um Verdauung und Hämorrhoiden ging. Brrrh.

Schwierig ist für mich, dass diese Sitzungen oft so ewig dauern und ich keine Nachteule bin. Sind die Sitzungen unter der Woche (Weiberfastnacht!), muss ich am nächsten Tag trotzdem um sechs raus. Und überhaupt bin ich der Meinung, dass keine Versammlung länger als zwei bis drei Stunden dauern sollte.

Aber am meisten stört mich, dass ich bei einer solchen Sitzung viel mehr als bei jeder anderen Veranstaltung spüre, dass ich da nicht hingehöre, dass ich nicht dazugehöre. Ich kann das gar nicht so genau erklären, aber während um mich herum alle bunt und beschwipst und fröhlich sind, schunkeln und lachen und grölen, wird es in mir ganz grau. Das ist einfach ein Bereich des Odenwälder Lebens, in dem ich meinen Mitmenschen vielleicht körperlich, aber nicht im Geiste folgen kann.

All diese Dinge plus der Februar-Blues (plus Wechseljahre?) haben in den letzten Jahren dazu geführt, dass ich mich nach der Fastnacht immer viel schlechter fühlte als vorher. Daher habe ich dieses Jahr ausgesetzt; da die Extravergütung dafür abgeschafft wurde, lohnt es sich auch finanziell nicht mehr.

Und was soll ich sagen? Meine Laune ist auch ohne Fastnacht schlecht!

Aber kein Grund zur Sorge: Die Tage werden trotz allem länger, heute habe ich die ersten Bärlauchspitzen entdeckt, und bald schon ist der blöde Februar vorbei.

WmdedgT: Wiederbeschaffungszeitwertabschreibung

Ich wollte schon lange mal auf die Frage von Frau Brüllen antworten. Die fragt: „Was machst du eigentlich so den ganzen Tag?“. Nun war gestern ein untypischer (Arbeits-)Tag, aber gut – wieso nicht. Nur habe ich gar keine Bilder gemacht, da müsst ihr jetzt mit leben.

Statt wie sonst um 6 startete der Tag für mich erst um 7:30 Uhr. Der beste Ehemann von allen ist mit einer dicken Erkältung daheim, statt in der Schule zu unterrichten, und ich bin auch etwas unfit. Daher habe ich auch erst einmal keine Termine außer Haus bis Anfang nächster Woche angenommen – ich wusste ja nicht, wie schlimm es wird. Aber vielleicht bin ich dank meiner selbstgebrauten Cistus-Tinktur, die ich mir regelmäßig in den Rachen sprühe (brrrrhhhhhh), nur leicht erkältet.

Da der besagte kränkelnde Mann um 7:30 noch schlief, habe ich erst einmal ein bisschen gelesen. Ich lese gerade die Buchreihe über „The No. 1 Ladies’ Detective Agency“. Die Romane wurden vom Schotten Alexander McCall Smith verfasst, der eine Weile im Süden Afrikas gelebt hat. Ich kann natürlich absolut nicht einschätzen, wie authentisch die Gesellschaft Botswanas in den Büchern wiedergegeben wird, aber die Bücher machen wirklich Freude. Ich finde es erfrischend, Geschichten über Afrika zu lesen, in denen die Probleme des Kontinents (Hunger, Armut, Kriege, AIDS usw.) mal nicht im Vordergrund stehen. Wahrscheinlich ist die Darstellung etwas verkitscht, aber ich hätte große Lust, mich mit der „traditionell gebauten“ (wie sie ihre Körperfülle nennt) Mma Ramotswe auf einen Buschtee auf ihre Veranda zu setzen und zu plaudern.

Als der kranke Mann erwachte, frühstückten wir ausgiebig. Ich hatte keinen Zeitdruck mit der Arbeit, und gemütlich frühstücken und dabei eine Zeitung lesen (aktuell die Süddeutsche am Wochenende, die reicht uns für die ganze Woche) macht mir Freude.

Dann stand ein bisschen Arbeit an. Ich schrieb einen weiteren kleinen Artikel über die anstehende Kommunalwahl in Hessen Mitte März. Dabei konzentrierte ich mich auf das Thema Briefwahl. Ich telefonierte kurz mit einem der Wahlleiter hier, wann denn die Wahlbenachrichtigungen bei den Bürgerinnen und Bürgern zu erwarten sind.

Ich kommunizierte außerdem kurz mit Mitgliedern meiner Demokratiegruppe darüber, ob ihnen meine Ankündigung für unsere nächste Veranstaltung zusagt. Wir machen am 21. Februar wieder eine „Musik-und-Talk“-Veranstaltung. Praktischerweise hat die Familie einer unserer Aktiven eine alte Dorfwirtschaft mit Saal, wo wir hin und wieder zu demokratischen Veranstaltungen einladen können. Ich selbst kümmere mich in der Gruppe vor allem um die Pressearbeit; auf der Bühne stehen muss ich nicht, gehe aber bei Dmeos auch mal für 3 Sätze ans Mikro, wenn es gewünscht wird.

Außerdem antwortete ich kurz auf die Mail eines Freundes, dem es nicht gut geht. Und ich schrieb eine Nachricht an die Mieter unserer vermieteten Einliegerwohnung, dass wir uns doch bitte zeitnah gemeinsam ein Problem in deren Wohnung anschauen sollten, das laut ihnen schon seit zwei Wochen besteht. Warum erfahre ich das dann erst jetzt?, denke ich und seufze.

Dann machte ich mich noch einmal auf, um ein paar Dinge zu erledigen. Ich brachte ein Ersatzteil, das mein Mann im Internet erworben hatte, zu der Werkstatt, wo gerade sein Auto steht. Danach kaufte ich ein paar Kleinigkeiten im Edeka ein und drehte eine Runde im Wald. Der tägliche Spaziergang muss bei mir ja sein.

Wieder daheim warf ich die mitgebrachten veganen Fischstäbchen (die sicher irgendwie anders heißen müssen inzwischen) in die Pfanne. Solche Fertiggerichte kaufe ich eigentlich nur, wenn sie in der „Nimm mich mit, mein MHD läuft bald ab“-Kiste liegen. Dazu gab es eine Art Imam Bayildi („Der Imam fällt in Ohnmacht“, besteht vor allem aus Auberginen in Tomaten geschmort) und Bulgur. Türkei meets Tofu-Nordsee oder so.

Gegen Abend schaute ich mir ein Livevideo des Bürgermeisters einer Nachbarkommune an und machte mir Notizen für einen Artikel. Es ging dabei um die drastische Erhöhung der Wasserpreise dort; das Thema hat es sogar in überregionale Nachrichten und ins TV geschafft. Bei dem Video konnten sich Bürger dazuschalten oder in den Kommentaren Fragen stellen, sehr modern das alles. Zentral war ein längeres Referat über Gebührenkalkulation. Ich konnte dem Vortrag dank 14 Jahren Berichterstattung über Kommunalpolitik durchaus folgen, habe aber mit „Wiederbeschaffungszeitwertabschreibung“ doch noch einen neuen Begriff gelernt, der bei Scrabble gut Punkte bringen dürfte.

Später machte ich es mir mit dem besten Ehemann von allen auf dem heimischen Sofa gemütlich. Erst schauten wir quer in Bayern drei, dann noch ein paar Folgen der neuen Ghosts-Staffel. Und dann gingen wir schlafen.

Zengestank

Mal ein paar ungeordnete private Gedanken…

Heute war ich mal wieder in der Stadtbücherei in dem nächsten Städtchen, in dem ich zusammen mit dem besten Ehemann von allen eine Weile gelebt habe. Auch wenn es mich ja sonst eher in den Wald zieht, gehe ich dort gerne ein bisschen spazieren. Ich streife durch die Fußgängerzone, den schönen Schlosspark, und wenn ich mehr Zeit habe, drehe ich auch eine Runde durch einen sehr hübschen Staudengarten, der bald schon in bunten Farben explodieren wird, oder durch den Exotenwald mit seinen großen Mammutbäumen. Okay, das ist dann doch schon wieder Wald.

Diesmal beschränkte ich mich auf die kleinen Gassen rund um den Marktplatz. Ich mag das: herumlaufen, schauen, gucken, nachdenken. Irgendwo stand eine sogenannte Friedensinitiative, die vor ein paar Jahren noch gegen Coronaimpfungen und Masken wetterte. Woher kommt es eigentlich, dass diese beiden Themen – putinfreundlicher „Friedens“aktivismus und manchmal recht abwegige Ideen in Bezug auf Infektionskrankheiten – gerne zusammen auftreten? Gleiche Propagandaquelle, geht mir durch den Kopf. Aber auch schon vor Social Media habe ich erlebt, dass manche Ansichten, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben, zusammenkommen. Oder wie es mal eine Bekannte ausdrückte: Permakultur bekommt man fast nur im Paket mit Geschwurbel.

Ich schaue mir die Menschen an. Ein paar Touristen dürften in dem schmucken Städtchen unterwegs sein, andere sprechen deutlich den hiesigen Dialekt. Zwei ältere, knuffelige Damen fragen mich mit starkem osteuropäischen Akzent nach dem Bahnhof, ich zeige ihnen den Weg. Schon von weitem höre ich das schöne Akkordeonspiel eines Straßenmusikers, gebe eine Münze in seine Schale. Ich merke mal wieder, dass nicht nur Tiere – Katzen vor allem! – mich irgendwie anziehend finden, sondern auch kleine Kinder. Eines rennt, die Oma mit dem Kinderwagen hinter sich lassend, auf mich zu und grinst dabei so freudig, dass der Schnuller aus dem Mund purzelt.

Eine Sache, die mich zurzeit beschäftigt, ist eigentlich ein altvertrautes Thema von mir: Egal, wie felsenfest ich von irgendeiner Sache überzeugt bin: stoße ich (real life oder, schlimmer, digital) auf viele Gleichgesinnte, die auch sehr überzeugt von etwas sind, gehen sie mir oft auf den Geist und ich fange an, meine Überzeugung in Zweifel zu ziehen. Mir fehlen so oft die Zwischentöne, die Ambivalenz, die Möglichkeit, die eigene Ansicht zu hinterfragen und immer wieder auf den Prüfstein zu stellen. Oder aber – das wäre ja das Mindeste –, zu sagen: Ich denke schon, dass ich bei XY recht habe, aber ich muss deswegen nicht mit hoch erhobener Nase und ausgestrecktem Zeigefinger herumlaufen und ständig auf andere deuten und verkünden: DU! Du bist falsch!
Oh Gott, wie kann man nur Christ/CDUler/Fleischesser/Homöopathienutzer/Autofahrer/Raucher/Weintrinker sein!

Vielleicht habe ich zu lange in Büchern über Buddhismus und Zen gelesen, um das ständige Be- und Abwerten begeistert mittragen zu können. Was ja auch wieder zu einem sehr hübschen Comic passt, den ich gerade nicht in den Abgründen meiner Festplatte finde, der aber so aussieht: Ein buddhistischer Mönch meditiert. Dann denkt er plötzlich so etwas wie: Ich habe mein Ego überwunden und bin erleuchtet! Und kurz danach: Ich bin ja so viel besser als die anderen.

Also verabschiede ich mich von diesem Posting mit einem Hauch Zengestank*.

Die Bilder sind übrigens von heute und gehören zu einem schon zehn Jahre währenden Projekt, bei dem ich schöne Rostfotos und Bilder von abblätterndem Lack sammle, mit unklarer Vorstellung, was ich damit mal mache. Vielleicht bin ich ja irgendwann motiviert zu Rostgedichten und kombiniere das in einem Büchlein. Mit Ü50 macht ja Kunst zum schönen, langsamen Verfall durchaus Sinn.

*Ein Wort, das offenbar wenig bis gar nicht gebräuchlich ist, wie ich grade feststelle. Ich meine damit die nervtötende Arroganz von Leuten, die sich ja ach-so-schlau-und-erleuchtet finden. Anderswo werden damit jene bezeichnet, die ihr Engagement für Zen mit Accessoires nach außen tragen, um anzugeben. Ich bin übrigens keine Buddhistin, das nur am Rande.

Alle Vögel sind schon da

Dieser Winter hat ja angesichts des Klimawandels schon eher ungewohnte Dinge mit sich gebracht wie längere Kältephasen und Schnee. Auch heute kam es noch mal weiß vom Himmel, wobei es sich hier auf 200 Meter über Normalnull schnell in Matschpampe verwandelte. Diese fiel mir dann beim obligatorischen Waldspaziergang mehrmals mit lautem Schmatz von Bäumen auf die Mütze, brrh.

Kohlmeise (oben) und Kleiber

Bevor ich mich vorhin hinauswagte, hatte ich Muße, eine halbe Stunde am Fenster zu sitzen und den Vögeln an unserer Futterstelle zuzusehen. Besonders hübsch ist die Futterstelle nicht, ich gebe es zu. Ein Obstbaum, der eine Pflaume sein sollte, aber nur ungenießbare saure gelbe Kugeln trägt (keine Mirabellen), wurde von mir mit einem Meisenknödelhalter, einem selbstgebauten Sonnenblumenkernefutterspender und Tassen behängt, die ich mit einer Haferflocken-Sonnenblumenkerne-Fett-Mischung befüllt habe.

Aber Ästhetik stört die Piepmätze zum Glück nicht. Ich schaue ihnen gern zu, manchmal assistiert von der freudig schmatzenden Katze. Ich zeige euch mal ein paar Bilder. Sind nicht supertoll, ich weiß, habe mit kleiner Kamera durch die Scheibe fotografiert und es fiel da auch noch recht viel Schnee.

Kohlmeisen sind hier die häufigsten Gäste
Die kleineren Blaumeisen sind viel scheuer als die größeren Kohlmeisen
Rotkehlchen sind recht zutraulich und lassen sich gerne knipsen.
Stare kommen gerne gleich in der Gruppe und verbreiten dann viel Gekreisch und Gezanke
Die Buchfinken beobachten oft lange das Geschehen, bis sie sich näher wagen, Dann sammeln sie auch lieber Futter vom Boden auf.
Auffällig seltener geworden sind die Amseln
Den Vogel kannte ich gar nicht. Es ist eine Heckenbraunelle.

Eisnebel


Es ist kalt und neblig, und so verwandeln sich die Wälder hier in Märchenwälder. Ich genieße das sehr, auch und gerade weil manches andere – die Welt, unsere Wasserabrechnung, mein Schlaf – gerade nicht so toll ist.

Upcycling: Alte Kalender

Ich bin ja nicht so die geborene Basteltante, weil ungeduldig und etwas ungeschickt. Aber eine Idee setze ich immer wieder gerne um, und das ist das Upcycling schöner Kalender. Ihr kennt das ja sicher auch: Das Jahr ist vorbei, den Kalender hebt man auf, weil die Bilder so schön sind – aber man hat gar keinen Platz, sie irgendwo zur Geltung kommen zu lassen, und Kalender von den Vorjahren hängen zu lassen ist ja auch etwas doof.

Ich habe vor einer Weile angefangen, stabile Pappkartons mit Motiven der Kalender zu bekleben und sie als Aufbewahrungsmöglichkeiten zu nutzen. Schuhkartons sind gut geeignet, je nach Größe der Kalender aber auch größere Kartons oder kleinere Schachteln. Mehr als eine Schere, einen Klebestift und eventuell noch etwas (breites) durchsichtiges Klebeband braucht man nicht.

Mein Lieblingskalender für diesen Zweck, den ich auch komplett verbastelt hatte, war einer der Behindertenhilfe hier im Kreis. Die Behindertenhilfe stellt Werke ihrer Künstler aus und verkauft diese auch in einer Galerie. Natürlich sind auch Landschaftsfotos usw. schön und gut dafür geeignet.

Was ich 2025 so gelesen habe

Ich führe ja ein bisschen Buch darüber, was ich so lese. 2025 waren es 51 Bücher, die ich notiert habe, wobei ich solche in der Regel nicht aufführe, in denen ich nur herumblättere oder die ich bald schon wieder zur Seite lege und nicht beende. Ein paar der Bücher hatte ich ja auch hier im Blog vorgestellt.

Was waren denn dieses Jahr Highlights?

Anfang des Jahres hatte ich die drei Philosophiebücher von Wolfram Eilenberger gelesen: „Zeit der Zauberer“, „Feuer der Freiheit“ und „Geister der Gegenwart“, wobei ich das erste am anspruchsvollsten und das zweite, das sich den Philosophinnen Simone Weil, Hannah Arendt, Simone de Beauvoir und Ayn Rand widmete, am interessantesten fand.

Bevor ich im Sommer ein bisschen verblödete und mich anspruchsvolleren Büchern nicht recht gewachsen fühlte, las ich auch einiges von Philipp Blom. „Die Welt aus den Angeln“ behandelte dabei die Klimakrise ab dem 16. Jahrhundert. Augenöffnend! Ich las von ihm auch noch weitere Bücher über die Krise des Liberalismus und über das frühe 20. Jahrhundert. Sehr interessant!

Nichts falsch machen kann ich bei Lieblingsautor:innen wie Haruki Murakami oder Margaret Atwood. Von denen hatte ich auch ein paar Sachen gelesen wie „Die Kunst des Kochens und Auftragens“ und „Hier kommen wir nicht lebend raus“ sowie „Die Zeuginnen“ (Atwood) oder auch „Erste Person Singular“ und „Die Stadt und ihre ungewisse Mauer“ (Murakami).

Leichtere Kost, die ich vor allem im Frühsommer und Sommer las, waren ein paar Allgäu-Krimis von Kobr und Klüpfel. „Das Richtige für Hitzewelle und Deprophase“, notierte ich mir dazu. Ebenfalls eher leichte, aber nicht ganz uninteressante Kost waren zwei Bücher aus einer Trilogie von Dagmar Trodler, „Freyas Töchter“ und „Die Tage des Rabens, die – wie ich fand – ganz gute Einblicke in das frühmittelalterliche Leben zur Zeit der Christianisierung boten. Ansonsten war es aber auch eine ziemliche Liebesschmonzette.

Ebenfalls historisch, aber ein Sachbuch, war „Der grüne Fürst“ von Heinz Ohff über das recht abenteuerliche Leben des Fürsten Pückler. Ja, genau der mit dem Eis.

Ansonsten habe ich wie immer einige Bücher über Menopause, Psychologie und Psychotherapie und verwandte Disziplinen gelesen. Nett fand ich dabei unter anderem von Sabine Asgodom „So coache ich“, mit netten Tipps, die man auch ohne Coaching- oder Therapierahmen bei sich selbst oder in Gesprächen mit anderen mal anwenden kann.

Ich habe auch eine leichtgängige Einführung in die Schematherapie bzw. ein darauf aufbauendes Selbsthilfebuch gelesen, „Raus aus dem Schema F von Gitta Jacob, das ich empfehlen kann. Bei der Schematherapie, einer weiteren Therapieform der dritten Welle (wie auch ACT), werden verhaltenstherapeutische und tiefenpsychologische Aspekte verbunden. Im Endeffekt geht es vor allem um Aspekte des inneren Kindes und der inneren Richter, die uns dazu bringen, nicht lösungsorientiert und vernünftig auf Herausforderungen zu reagieren.

Wenig begeistert haben mich dagegen ein Klassiker aus diesem Genre. „Spiele der Erwachsenen“ von Eric Berne rund um Aspekte der Transaktionsanalyse fand ich menschenunfreundlich und zynisch. „Women on Fire“ von Sheila de Liz fand ich wiederum in dem intensiven Werben für Hormonersatztherapie einseitig.

Ich lese ja auch sehr gerne moderne japanische Literatur und war von „Butter“ von Asako Yuzuki sehr angetan. Auch „Brüste und Eier“ von Mieko Kawakami gefiel mir. Aus Südkorea kommt wiederum die Autorin Han Kang, von der ich „Die Vegetarierin“, „Griechischstunden“ und „Weiß“ las.

Eine Neuentdeckung (zugegeben von Anfang Januar 2026 und nicht mehr von 2025), die ich meiner lieben australischen Freundin E. verdanke, sind die Bücher von Alexander McCall Smith über die liebenswerte Privatdetektivin Precious Ramotswe, die in Botswana untreuen Männern, Versicherungsbetrügern und verschwundenen Kindern hinterherermittelt. Ich bin ja nicht so der „Bücher im Original lesen“-Freak, aber ich habe das erste Buch „The No. 1 Ladies’ Detective Agency“ auf Englisch schnell weggeschlonzt und gleich noch ein paar weitere im Online-Antiquariat bestellt.

Alle meine Blogbeiträge zum Thema Lesen findet ihr hier.

Und, was war eure Topps und Flopps beim Lesen?

Massive Entschleunigung

Mein Gehirn hat den Ohrwurm Winterwonderland langsam über und bedauert, das Pingeldingeldi aus „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ nicht richtig abrufen zu können. Den Schnee satt habe ich noch nicht.

Ja, der Schnee fasziniert mich. Er ist nicht meterhoch, aber auch mehr als ein Hauch, und er bleibt schon seit Tagen liegen. Das sieht natürlich schöner aus als die übliche grau-braune Matschepampe zu dieser Jahreszeit, und ich stampfe lange und viel durch die verschneiten Wälder und bedanke mich im Geiste bei den Erfindern aller warmen Funktionsjacken und wasserdichten Wanderstiefel.

Heute war ich auf einigen der üblichen Wege unterwegs und war dabei nach dem letzten Schnee von heute Nacht offenbar oft die Erste. Zumindest die erste Menschenfrau, denn Hasen, Rehe und Füchse haben vor mir Spuren hinterlassen. Einen Hasen sah ich auch davonhoppeln, aber er war schon verschwunden, bevor ich meinen Foto herausgefummelt hatte.

Auch sonst geht bei mir die Entschleunigung in die dritte und finale Woche. Und nach Weihnachten, meiner Einladung zwischen den Jahren, die immer an Freund*innen rausgeht, und Silvester sowie einer Ortsführung, die dann wetterbedingt doch nicht stattfand, habe ich bis nächste Woche erst mal gar nichts mehr zu tun. Lustigerweise macht mich das motivierter, etwas zu erledigen, und ich habe diese Woche endlich mal einen neuen Führerschein bestellt und meine Umsatzsteuer erledigt. Was den neuen Führerschein angeht – da muss ich doch mal mein Heimatdorf hier loben: Das ist ja alles sehr bequem inzwischen, mit Termin per Computer, einer Mail, in der steht, was man alles mitbringen muss, und ganz ohne Wartezeit.


Und ich bin froh, jetzt nicht für die Arbeit irgendwo nachts durch die Gegend gondeln zu müssen bei Schnee und Eis. Ansonsten habe ich jetzt eher ein gewisses Rauhnachtsgefühl der Entspannung als in den Rauhnächten selbst. Wobei ich diesbezüglich auch schon beobachtet habe, dass diese stille Zeit des Rückzugs und der Kontemplation bei vielen in Stress ausartet, nach dem Motto: Ich muss täglich räuchern, meditieren, diesen und jenen Kurs machen …

Ich fahre seit vielen Jahren ziemlich gut mit dem Leitsatz, dass es oft besser ist, unnötigen Ballast abzuwerfen, statt sich noch mehr draufzupacken im Namen der Innerlichkeit, der Spiritualität. Ob nun in den Rauhnächten oder irgendwann anders. Entspannung kann sonst echt in Arbeit ausarten.

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