Lesen, Wandern, Palavern

Autor: Katja (Seite 1 von 8)

Eisnebel


Es ist kalt und neblig, und so verwandeln sich die Wälder hier in Märchenwälder. Ich genieße das sehr, auch und gerade weil manches andere – die Welt, unsere Wasserabrechnung, mein Schlaf – gerade nicht so toll ist.

Upcycling: Alte Kalender

Ich bin ja nicht so die geborene Basteltante, weil ungeduldig und etwas ungeschickt. Aber eine Idee setze ich immer wieder gerne um, und das ist das Upcycling schöner Kalender. Ihr kennt das ja sicher auch: Das Jahr ist vorbei, den Kalender hebt man auf, weil die Bilder so schön sind – aber man hat gar keinen Platz, sie irgendwo zur Geltung kommen zu lassen, und Kalender von den Vorjahren hängen zu lassen ist ja auch etwas doof.

Ich habe vor einer Weile angefangen, stabile Pappkartons mit Motiven der Kalender zu bekleben und sie als Aufbewahrungsmöglichkeiten zu nutzen. Schuhkartons sind gut geeignet, je nach Größe der Kalender aber auch größere Kartons oder kleinere Schachteln. Mehr als eine Schere, einen Klebestift und eventuell noch etwas (breites) durchsichtiges Klebeband braucht man nicht.

Mein Lieblingskalender für diesen Zweck, den ich auch komplett verbastelt hatte, war einer der Behindertenhilfe hier im Kreis. Die Behindertenhilfe stellt Werke ihrer Künstler aus und verkauft diese auch in einer Galerie. Natürlich sind auch Landschaftsfotos usw. schön und gut dafür geeignet.

Was ich 2025 so gelesen habe

Ich führe ja ein bisschen Buch darüber, was ich so lese. 2025 waren es 51 Bücher, die ich notiert habe, wobei ich solche in der Regel nicht aufführe, in denen ich nur herumblättere oder die ich bald schon wieder zur Seite lege und nicht beende. Ein paar der Bücher hatte ich ja auch hier im Blog vorgestellt.

Was waren denn dieses Jahr Highlights?

Anfang des Jahres hatte ich die drei Philosophiebücher von Wolfram Eilenberger gelesen: „Zeit der Zauberer“, „Feuer der Freiheit“ und „Geister der Gegenwart“, wobei ich das erste am anspruchsvollsten und das zweite, das sich den Philosophinnen Simone Weil, Hannah Arendt, Simone de Beauvoir und Ayn Rand widmete, am interessantesten fand.

Bevor ich im Sommer ein bisschen verblödete und mich anspruchsvolleren Büchern nicht recht gewachsen fühlte, las ich auch einiges von Philipp Blom. „Die Welt aus den Angeln“ behandelte dabei die Klimakrise ab dem 16. Jahrhundert. Augenöffnend! Ich las von ihm auch noch weitere Bücher über die Krise des Liberalismus und über das frühe 20. Jahrhundert. Sehr interessant!

Nichts falsch machen kann ich bei Lieblingsautor:innen wie Haruki Murakami oder Margaret Atwood. Von denen hatte ich auch ein paar Sachen gelesen wie „Die Kunst des Kochens und Auftragens“ und „Hier kommen wir nicht lebend raus“ sowie „Die Zeuginnen“ (Atwood) oder auch „Erste Person Singular“ und „Die Stadt und ihre ungewisse Mauer“ (Murakami).

Leichtere Kost, die ich vor allem im Frühsommer und Sommer las, waren ein paar Allgäu-Krimis von Kobr und Klüpfel. „Das Richtige für Hitzewelle und Deprophase“, notierte ich mir dazu. Ebenfalls eher leichte, aber nicht ganz uninteressante Kost waren zwei Bücher aus einer Trilogie von Dagmar Trodler, „Freyas Töchter“ und „Die Tage des Rabens, die – wie ich fand – ganz gute Einblicke in das frühmittelalterliche Leben zur Zeit der Christianisierung boten. Ansonsten war es aber auch eine ziemliche Liebesschmonzette.

Ebenfalls historisch, aber ein Sachbuch, war „Der grüne Fürst“ von Heinz Ohff über das recht abenteuerliche Leben des Fürsten Pückler. Ja, genau der mit dem Eis.

Ansonsten habe ich wie immer einige Bücher über Menopause, Psychologie und Psychotherapie und verwandte Disziplinen gelesen. Nett fand ich dabei unter anderem von Sabine Asgodom „So coache ich“, mit netten Tipps, die man auch ohne Coaching- oder Therapierahmen bei sich selbst oder in Gesprächen mit anderen mal anwenden kann.

Ich habe auch eine leichtgängige Einführung in die Schematherapie bzw. ein darauf aufbauendes Selbsthilfebuch gelesen, „Raus aus dem Schema F von Gitta Jacob, das ich empfehlen kann. Bei der Schematherapie, einer weiteren Therapieform der dritten Welle (wie auch ACT), werden verhaltenstherapeutische und tiefenpsychologische Aspekte verbunden. Im Endeffekt geht es vor allem um Aspekte des inneren Kindes und der inneren Richter, die uns dazu bringen, nicht lösungsorientiert und vernünftig auf Herausforderungen zu reagieren.

Wenig begeistert haben mich dagegen ein Klassiker aus diesem Genre. „Spiele der Erwachsenen“ von Eric Berne rund um Aspekte der Transaktionsanalyse fand ich menschenunfreundlich und zynisch. „Women on Fire“ von Sheila de Liz fand ich wiederum in dem intensiven Werben für Hormonersatztherapie einseitig.

Ich lese ja auch sehr gerne moderne japanische Literatur und war von „Butter“ von Asako Yuzuki sehr angetan. Auch „Brüste und Eier“ von Mieko Kawakami gefiel mir. Aus Südkorea kommt wiederum die Autorin Han Kang, von der ich „Die Vegetarierin“, „Griechischstunden“ und „Weiß“ las.

Eine Neuentdeckung (zugegeben von Anfang Januar 2026 und nicht mehr von 2025), die ich meiner lieben australischen Freundin E. verdanke, sind die Bücher von Alexander McCall Smith über die liebenswerte Privatdetektivin Precious Ramotswe, die in Botswana untreuen Männern, Versicherungsbetrügern und verschwundenen Kindern hinterherermittelt. Ich bin ja nicht so der „Bücher im Original lesen“-Freak, aber ich habe das erste Buch „The No. 1 Ladies’ Detective Agency“ auf Englisch schnell weggeschlonzt und gleich noch ein paar weitere im Online-Antiquariat bestellt.

Alle meine Blogbeiträge zum Thema Lesen findet ihr hier.

Und, was war eure Topps und Flopps beim Lesen?

Massive Entschleunigung

Mein Gehirn hat den Ohrwurm Winterwonderland langsam über und bedauert, das Pingeldingeldi aus „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ nicht richtig abrufen zu können. Den Schnee satt habe ich noch nicht.

Ja, der Schnee fasziniert mich. Er ist nicht meterhoch, aber auch mehr als ein Hauch, und er bleibt schon seit Tagen liegen. Das sieht natürlich schöner aus als die übliche grau-braune Matschepampe zu dieser Jahreszeit, und ich stampfe lange und viel durch die verschneiten Wälder und bedanke mich im Geiste bei den Erfindern aller warmen Funktionsjacken und wasserdichten Wanderstiefel.

Heute war ich auf einigen der üblichen Wege unterwegs und war dabei nach dem letzten Schnee von heute Nacht offenbar oft die Erste. Zumindest die erste Menschenfrau, denn Hasen, Rehe und Füchse haben vor mir Spuren hinterlassen. Einen Hasen sah ich auch davonhoppeln, aber er war schon verschwunden, bevor ich meinen Foto herausgefummelt hatte.

Auch sonst geht bei mir die Entschleunigung in die dritte und finale Woche. Und nach Weihnachten, meiner Einladung zwischen den Jahren, die immer an Freund*innen rausgeht, und Silvester sowie einer Ortsführung, die dann wetterbedingt doch nicht stattfand, habe ich bis nächste Woche erst mal gar nichts mehr zu tun. Lustigerweise macht mich das motivierter, etwas zu erledigen, und ich habe diese Woche endlich mal einen neuen Führerschein bestellt und meine Umsatzsteuer erledigt. Was den neuen Führerschein angeht – da muss ich doch mal mein Heimatdorf hier loben: Das ist ja alles sehr bequem inzwischen, mit Termin per Computer, einer Mail, in der steht, was man alles mitbringen muss, und ganz ohne Wartezeit.


Und ich bin froh, jetzt nicht für die Arbeit irgendwo nachts durch die Gegend gondeln zu müssen bei Schnee und Eis. Ansonsten habe ich jetzt eher ein gewisses Rauhnachtsgefühl der Entspannung als in den Rauhnächten selbst. Wobei ich diesbezüglich auch schon beobachtet habe, dass diese stille Zeit des Rückzugs und der Kontemplation bei vielen in Stress ausartet, nach dem Motto: Ich muss täglich räuchern, meditieren, diesen und jenen Kurs machen …

Ich fahre seit vielen Jahren ziemlich gut mit dem Leitsatz, dass es oft besser ist, unnötigen Ballast abzuwerfen, statt sich noch mehr draufzupacken im Namen der Innerlichkeit, der Spiritualität. Ob nun in den Rauhnächten oder irgendwann anders. Entspannung kann sonst echt in Arbeit ausarten.

Jahresabschlusspuderzucker

Hätte ich gerade keinen Urlaub, hätte ich sicher heute von meiner Redaktion den Auftrag bekommen, „Verkehrschaos im Odenwald wegen Schnee“ zu fotografieren. Da muss ich immer etwas schmunzeln; meine Kolleg:innen an der Bergstraße unterschätzen den Odenwälder doch ein bisschen, was seine Fähigkeiten angeht, mit Eis und Schnee umzugehen. Vor allem, wenn es sich wie heute um nicht mehr als eine dünne Puderzuckerschicht handelt, die nett anzusehen war, aber in der Mittagssonne auch schnell verschwand.

Blick von der Kreidacher Höhe Richtung Westen und Rheinebene

Heute Morgen war es sehr neblig. Nach einem Blick auf die in solchen Wetterlagen immer sehr praktische Webcam auf dem Trommturm sah ich, dass oben die Sonne schien. Also tuckerte ich auf die Kreidacher Höhe hinauf, um dort ein bisschen zu spazieren. Leider muckt aktuell mein Knöchel etwas herum, weswegen ich auf dem dortigen Kunstwanderweg langsam ging und nicht furchtbar weit. Aber ich habe euch ein paar Impressionen mitgebracht.

Ansonsten wundere ich mich, dass meine großzügig bemessenen Winterferien schon wieder fast halb vorbei sind. Schlauerweise habe ich es diesmal aus Erfahrung vermieden, mir sehr viele Dinge vorzunehmen. Verwandtenbesuche an Weihnachten, das alljährliche Rauhnachtscafé mit Freunden, dazu noch ein paar Dinge, die ich nicht ganz vermeiden kann wie Umsatzsteuererklärung und Passfotos sowie ein paar organisatorische Dinge rund um unsere Geopark-Gruppe — selbst das kommt kaum in die Pötte

Ein Schwarm Distelfinken

Aber das soll und muss vielleicht auch einfach mal so sein zwischen den Jahren, wenn es selbst bei Sonnenwetter so viel dunkel ist. Ich schreibe Träume auf, die sich fast alle um meine Arbeit drehen, und habe keine rechte Lust auf einen Jahresrückblick.

2025 war zäh. Die Wechseljahre hatten mich vor allem im Sommer schlimm in der Mangel, und überall um mich herum sehe und sah ich Freund:innen und Bekannte mit der psychischen und körperlichen Gesundheit hadern. Dazu noch alles draußen in der großen Welt, die so viel kälter und härter ist als meine 70er-Jahre-Bude und meine verständigen Freunde hier im plüschigen Auenland.

2025 in einem Wort? Erschöpfend.

Good Omens in Zwingenberg

Heute haben der beste Ehemann von allen und ich einen Ausflug in die Kleinstadt Zwingenberg an der Bergstraße gemacht.

Marktplatz von Zwingenberg

Die Anfahrt wurde durch einen Auffahrunfall unterbrochen; zum Glück bekam das Auto des werten Gatten als erstes in der Kette nur ein leicht verdelltes Kennzeichen ab. Nach meiner Betonmischer-versus-Smart-Erfahrung im September hätten wir auch mehr nicht gebraucht.

In Zwingenberg liefen wir den Geopark-Lehrpfad „Blüten, Stein und Wein“ entlang. Der ist erst wenige Jahre alt, und ich kannte ihn noch nicht.
https://geo-naturpark.net/pfade/zwingenberg-blueten-stein-und-wein/

Erster Punkt war dabei die Scheuergasse (s.o.), ein ehemaliges Scheunenviertel. Heute ist sie sehr schön renoviert, mit einigen künstlerischen und gastronomischen Akzenten. Es gibt dort auch ein Heimatmuseum, das allerdings nur im Sommerhalbjahr geöffnet ist.
Mehr zur Geschichte findet man hier:
https://die-scheune-zwingenberg.de/geschichte/

Dann ging es hinauf Richtung Weinberge. Dort beginnt auch der Nibelungensteig, ein beliebter Etappenwanderweg, der quer durch den Odenwald führt.

Der Lehrpfad ging weiter hinauf zu einem alten Steinbruch und dann noch etwas hinaus zur Blockhütte auf dem Luciberg. Was für ein Ausblick auf die Rheinebene! Dort gibt es auch einige tolle Pflanzen und Tiere, wovon auch das Naturschutzgebiet dort zeugt. Von ihnen war allerdings jetzt im Winter nicht so viel zu sehen.

Blick auf Zwingenberg
Blick Richtung Starkenburg (Heppenheim)
Blick Richtung Mannheim

Dann schauten wir uns noch in der Altstadt um. Wir stiegen auch hinauf zur Bergkirche. Das ist ein beeindruckendes altes Kirchlein. 1258 wurde es erbaut, später dann erweitert. Seit 1527 ist es evangelisch. Wir flanierten um das geschlossene Kirchlein herum und sahen uns die Grabsteine an, als ein Mann in der Kirche auf uns aufmerksam wurde und uns hereinbat. Er erzählte uns ein bisschen von der Geschichte der Kirche, auch, dass es dort einmal fünf Altäre gegeben hatte und auch fünf Altaristen. Was das ist, erklärte uns in der Kirche der freundliche Mann und euch Wikipedia: Im Mittelalter war damit ein Angehöriger des Klerus gemeint, der die mit einer Altarstiftung verbundenen Dienste erfüllte, insbesondere die Zelebration der heiligen Messe zum Seelenheil des Stifters und ggf. seiner Familie und das Beten des Stundengebets.
https://de.wikipedia.org/wiki/Altarist

Der freundliche Mann meinte zum Abschied, er werde jetzt noch ein bisschen mit Gott Zwiesprache halten, bevor er sich für das neue Jahr bereit mache. Ich fand es eine sehr nette Begegnung

Groß ist Zwingenberg nicht, und bald waren wir wieder beim Ausgangspunkt, dem (großen und kostenfreien) Melibokus-Parkplatz. Aber kurz vorher hörten wir Vogelrufe in der Luft und sahen hinauf: Kraniche! Die haben für uns eine positive Bedeutung, und daher glauben wir, dass das ein gutes Omen wird für 2026.

Dunkelmonat, Lichtblicke

Jedes Jahr nehme ich mir vor, dass es sich nicht mehr so unendlich ballen soll vor den wohlverdienten Winterferien (drei Wochen – relativ großzügige Feriengestaltungen sind halt die Vorzüge einer Freiberuflerin, dafür arbeite ich auch oft zu doofen Zeiten wie abends oder am Wochenende). Und jedes Jahr blinzele ich ein paar Wochen vor dem Urlaub entgeistert auf die Liste der To-Dos. Und wie immer geht es offenbar auch allen anderen so, was es umso schwerer macht, Termine oder Antworten auf Presseanfragen zu bekommen.(Wohlweislich hatte ich daher die Termine mit den Bürgermeistern für die Jahresrückblicke schon Anfang November ausgemacht…)

Gleichzeitig zehrt die Dauerdunkelheit. Schön, wenn an Tagen wie heute die Sonne scheint (auch wenn es dann gleich so warm werden kann, dass es sich kaum wie Dezember anfühlt). Bei grauen Tagen klammere ich mich an meine Tageslichtlampe auf dem Schreibtisch, so sich nicht die Katze dazwischen drängelt, um sich zu sonnen.


Wie auch immer. Als ich noch im „Metaverse“ unterwegs war, hatte ich am 1. und 8. Dezember immer ein bisschen öffentlich an meine Eltern gedacht, die da Geburtstag hatten. Beide waren Jahrgang 1933, und beide leben nicht mehr. Mein Vater starb schon 2000, meine Mutter 2016. Ich bin froh, dass ich an sie zurückdenken kann, ohne dass ich das Gefühl habe, da müsse jetzt irgendwas noch groß aufgearbeitet werden. Ich stelle nur amüsiert immer öfter fest, meiner Mutter zunehmend zu ähneln, und bin froh, dass ich das nicht schlimm finde. Dann rede ich halt mit fremden Katzen (und Hunden, Pferden, Hühnern…), na und.

Schöne Momente im dunklen Dezember: Blick auf Wald-Erlenbach

Ansonsten sammele ich zurzeit kleine Lichtblicke im häufigen Dauergrau. Immer mal wieder ein romantisch-schöner Nebelspaziergang unter den täglichen Spaziergängen. Der Schornsteinfeger mit seinem Azubi soll mir Glück bringen, hoffe ich. Mein Auto wurde doch noch mal repariert und ist jetzt zweifarbig. Ja, ich habe den alten Smart nach dem Kampf Smart gegen Betonlaster noch mal instand setzen lassen, damit er seinen 24. und wer weiß, Anfang 2027 noch seinen 25. Geburtstag feiern kann. Theoretisch weiß ich, dass es viel vernünftiger gewesen wäre, mir einen neueren Gebrauchten zu kaufen, hätte ich auch kohlemäßig stemmen können, aber – hach, ich mag den kleinen Stinker, der mich hier die Hügel hoch und runter fährt und überall einen Parkplatz findet. Sogar die brutale Duftmischung aus Dieselabgasen und Vanillebäumchen habe ich vermisst.

Ich bin ja so schlecht im Loslassen, das wird nix mehr mit der Erleuchtung.

« Ältere Beiträge

© 2026 Nachtlande

Theme von Anders NorénHoch ↑