Lesen, Wandern, Palavern

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Die Harzreise

Allein allein

Ich allein im Harz

Letzte Woche war ich für sechs Tage im Harz und es war schön. Ich hatte mich dort 2–3 Tage mit einer Freundin getroffen, und spontan hatte ich noch gut drei Tage früher das Ferienhaus gebucht, um mal ein paar Tage allein Urlaub zu machen. Das habe ich vorher noch nie; ich war als Kind mit den Eltern weg, später mit Freund*innen, mit Jugendgruppen und der Klasse, natürlich oft und viel mit meinem Partner und heutigem Mann, und ich war vor rund 20 Jahren häufiger bei Frauentreffen. Aber ganz allein? Ehrlich gesagt hatte ich schon Respekt vor meiner Entscheidung. Aber vor Ort war alles prima, und ich habe das Alleinsein nicht nur ertragen, sondern genossen, auch wenn ich meinen Mann ziemlich vermisst habe. Aber es war für mich toll, mich mal im Urlaub nach niemandem richten zu müssen, einfach zu machen, was ich will.

Was schön war
Die Stadt Goslar ist sehr schön mit seinen vielen alten Häusern und interessanten Fassaden. Es gibt dort viel zu sehen, ich war dabei nur in drei der vielen Museen dort. Superpraktisch für Bahnreisende: Mit der Gästekarte kann man im ganzen Harz kostenlos den Nahverkehr benutzen. Das habe ich eifrig gemacht.

Was spannend war
Viel Freude hatte ich bei einer Tour allein durch das Okertal. Ich hatte, da ich das Gelände nicht kenne und keine mobilen Endgeräte für die Navigation besitze, den harmlosen Weg am Ufer der Oker entlang gewählt. Der war dann aber auch schon eine nette Tour mit tollen Ausblicken.

Was überraschend war
Ich wusste ja, dass der Borkenkäfer im Harz gewütet hat, und so war ich auch nicht überrascht, viele tote Bäume und kahle Hänge zu sehen. Aber das war nicht so schlimm, wie ich gedacht hatte, denn überall sah man auch schon das frische Grün – neue Nadelbäume, aber auch viel Birke, Ahorn usw., die sich breit machen. Ich bin neugierig, wie es dort in 20 Jahren aussieht.

Am Liebesbankweg Hahnenklee

Was inspirierend war
Ich hatte in Goslar auch das Mönchehaus besucht, ein Museum für moderne Kunst. Dort wurden gerade Werke von Gabriele Stötzer ausgestellt, die den Kaiserring der Stadt – eine Auszeichnung für moderne Kunst – erhalten hatte. Das hatte ich ein paar Tage vorher zufällig im TV gesehen und mir daher die Ausstellung angesehen. Ich fand ihre Werke sehr inspirierend. Und das Tollste: Plötzlich herrschte eine gewisse Unruhe, und die Künstlerin kam vorbei, wahrscheinlich für ein Interview. Vielleicht ein Zeichen, dass ich mich mal wieder mehr mit Kunst beschäftigen sollte.

Was deprimierend war
Ich bin ein großer Luchsfan, und daher war ich auch beim Luchsgehege Rabenklippe bei Bad Harzburg. Aber das war nicht, wie ich dachte, ein riesiges Freigehege, wo Luchse auf ihre Auswilderung warten, sondern eher zwei Gehege wie in einem Zoo, sprich nicht besonders groß und von hohen Zäunen mit Stacheldraht oben drauf umgeben wie eine JVA. Mindestens ein Luchs strich ständig den Zaun entlang, das tat mir weh zu sehen. Sehr genervt haben mich die Menschenhorden, die zur Fütterung anrückten. Kinder kreischten, Leute fotografierten mit Blitz, überhaupt viel Rummel vor dem Gehege. Ein paar ältere Tiere nahmen das stoisch, der Rest verkrümelte sich. Ich verkrümelte mich auch vor der Fütterung, weil ich wusste, dass noch eine Busladung Leute anrückte und mir das schon vorher zu viele Leute waren.

Was für mich überflüssig war
Auf dem Brocken war ich übrigens nicht. Die Zugfahrt war mir viel zu teuer, und die Wanderungen allein zu lang und ohne Auto (lange Busanreise, man muss dann ja auch den Bus zurück erwischen usw.) doch etwas zu riskant.

Der Brocken

Lauterlauter und Kleinklein

Jetzt ist das Bloggen mal wieder für eine Weile untergegangen vor Lauterlauter und Kleinklein. Ich muss sagen, der diesjährige Sommer war einfach wenig erholsam und anstrengend für mich. Das lag zum einen an der enormen Hitze, die mich nicht nur körperlich schlauchte und mein Wanderpensum einschränkte, sondern auch meine Sorgen vor der Klimawandelzukunft befeuerte. Wie oft hat es seit Mai geregnet, 10 Mal vielleicht? Die Buchenwälder sehen schlimm aus. Heutem Ende September, haben wir hier in Südhessen 30 Grad, und es ist staubtrocken. Im Radio reden sie von „schönem Wetter“.

Die Sängerwarte im Trommwald

Dazu kamen für meinen Geschmack viel zu viele Arztbesuche. Das meiste waren nur Check-ups, von Zahnarztsachen abgesehen. Ich weiß ja, wie privilegiert ich mit meiner (klopf auf Holz) bis heute guten Gesundheit bin. Andere müssen ständig zum Arzt und haben sicher wenig Verständnis dafür, dass eine recht Gesunde wie ich vor jedem Check-up-Ergebnis bibbert. Dazu haben meine Wechseljahre sich überlegt, das mit den Hitzewallungen doch noch mal zu testen. Ich nehme jetzt Traubensilberkerzenextrakt, das scheint etwas zu helfen.

Auch im Job ist es auch chaotischer als sonst: Seit dem Frühsommer gibt es Krankenstände in dem Ressort, dem ich als Freie zuarbeite, und dementsprechend ist alles etwas komplizierter und aufwendiger als sonst. Und überhaupt und sowieso, das ganze Kleinklein des Lebens. Meinem Smart musste ich nach fast 15 Jahren adieu sagen, schluchz. Der alte Herr hatte jetzt mit fast 25 Jahren so viele Blessuren, dass sich eine weitere Reparatur beim besten Kfz-Mechaniker von allen nicht mehr lohnte. Also Abschied, und ich muss mich an das ebenfalls schon ältere Auto gewöhnen, das ich vom werten Gatten übernehme, während der auf Elektro umstieg. Und all das andere Zeug rund um Job und Haus und Steuer und Handwerker und, ach, ihr kennt es ja alle.

Der Wald hat gelitten diesen Sommer 🙁

Aber immerhin, der Sommer ist vorbei, endlich will ich sagen. Mein Hirn fängt wieder an, besser zu funktionieren, und ich kann auch wieder den Hausberg hier hochlaufen, ohne völlig zu zerfließen. Pläne in Punkto Komfortzonenerweiterung, die ich während Hitze und Wartezimmeraufenthalten nicht umsetzen konnte oder wollte (ach ja, und die Katze war auch noch krank), rücken wieder näher: eine Fortbildung an einer Fernschule werde ich vielleicht im Winter oder Frühjahr starten, mehr Aktivitäten bei der Demokratiegruppe und ein Herbsturlaub ohne den besten Ehemann von allen. Vor 10 bis 25 Jahren bin ich fast jedes Jahr allein weggefahren, entweder zu Frauentreffen, um eine Freundin zu besuchen oder auch, um mich mit einer zu treffen. Letzteres werde ich nun mal wieder in den Herbstferien machen. Und weil ich mir dachte, ach, für ein paar Tage in den Harz fahren lohnt ja kaum, hab ich gleich noch ein bisschen Zeit für mich allein drangehängt. Ich bin mal gespannt, wie mir das bekommt, alleine ein paar Tage Urlaub zu machen. So, wie ich begeistert Wandertouren und Sehenswürdigkeiten in der Region suche, habe ich nicht allzu viele Bedenken.

Fisch-Mann?

Aber wie ich die mir auch nicht gerade angeborenen Eigenschaften Optimismus und Freude durch Zeiten wie diese bringe, dafür habe ich noch kein Rezept. Vielleicht sollte ich mal wieder ein paar alte Singvøgel-Lieder hören: www.singvoegel.com/index.php/fur-zeiten-wie-diese/

Wilde Leute

Sagenhafte Felsformationen gibt es ja im Odenwald en masse. Jetzt haben wir mit dem Wildleuthäusl (mal wieder) eine besucht, die in zweierlei Hinsicht etwas Besonderes ist. Obwohl nicht weit vom beliebten Aussichtsturm auf der Tromm gelegen, ist sie nicht so leicht zu finden und auf vielen Karten nicht ganz korrekt angegeben (ganz unten findet ihr die Koordinaten). Und dann gehören diese Steine zu jenen, die der Sage nach von wilden Leuten bewohnt wurden oder werden.


Es ist ein durchaus beeindruckendes Felsensemble, das man dort vorfindet, in Quaderform verwitterte Steine sowie Spalten und Mini-Höhlen laden dazu ein, hier rastende wilde Gestalten zu imaginieren. Tatsächlich fanden wir auch Reste eines Lagerfeuers (wobei ich hoffe, das ist schon länger her, der Wald brennt aktuell hier wie Zunder nach langer Dürre). Ein Mountainbiketrail führte hindurch. Der beste Ehemann von allen und ich sind da mit Vergnügen herumgeklettert (festes Schuhwerk zu empfehlen). Es gibt eine Infotafel zum Trommgranit am Wildleuthäusl, die allerdings von den Felsen ein ganzes Stück entfernt steht.
Eine konkrete Sage zum Wildleuthäusl auf der Tromm kenne ich nicht, habe nur im Hinterkopf, dass dort auch die Hölzerlipsbande gerastet haben soll. Ansonsten gleichen sich die Sagen an solchen Orten.

Mein wilder Mann

Was sind denn wilde Leute der Sage nach?
Sie gehören zu den Erdgeistern, ähnlich wie Elfen oder Zwerge. Als wilde Leute oder wilde Frauen sind sie vom Alpenraum bis Skandinavien verbreitet. Die Erscheinung der wilden Leute variiert je nach Region; im Odenwald sind sie als Männer klein und behaart, die Frauen meist schön. Manchmal treten die Männer als Riesen auf. Sie sind eher umgänglich (wenn sie nicht gerade Kinder stehlen), geben Ratschläge für die Aussaat und helfen bei der Feld- und Hausarbeit. Man darf sie aber nicht beleidigen oder ärgern, weil sie sich dann rächen. Dafür mögen sie es, wenn man ihnen Speisen und Trank anbietet – aber bitte keine Kleider (sie sind oft eher kärglich bekleidet, wenn überhaupt), das beleidigt sie. Ebenfalls konnte man die freundlichen Hilfsgeister damit vertreiben, dass man ihnen hinterherspionierte. Geschah dies, so kamen sie nicht wieder.

Eine gern verbreitete Theorie über die realen Hintergründe der wilden Leute ist, dass es sich um Heiden handelte, die vor der Christianisierung flohen und lieber im Wald hausten, als sich der neuen Religion zu unterwerfen. Ich vermute, diese Geschichten sind irgendwann zwischen Romantik und Nationalsozialismus entstanden, ist doch der Odenwald im Bereich des ehemaligen Klosters Lorsch schon früh christianisiert worden.

Fakt ist aber auch, dass sich Außenseiter, Obdachlose, Kriminelle und Deserteure bis ins 20. Jahrhundert zeitweise oder auch dauerhaft in den Wäldern des Odenwaldes in Höhlen oder primitiven Behausungen versteckten. Ein bekannteres Beispiel (nach dem ein Bier benannt wurde) ist der „Dachsenfranz“, der vor allem im Kraichgau unterwegs war.
https://de.wikipedia.org/wiki/Dachsenfranz

Es lassen sich ansonsten Parallelen zwischen den wilden Leuten und dem Grünen Mann ziehen; diese Gestalt mit Blättern und Ranken im Gesicht symbolisiert die Macht der Natur.
https://de.wikipedia.org/wiki/Gr%C3%BCner_Mann

Der „Wilde Mann“ hat als Name von Gaststätten und als geschnitzter Schmuck bei Häuserbalken oder auch als Fachwerkmuster überlebt.

Weitere Behausungen der wilden Leute:

Wildeleute-Stein bei Ober-Flockenbach
Wildweibchenstein bei der Ruine Rodenstein
Das Wildfrauenhaus bei Fischbachtal-Lützelbach
Das Steinschloss bei Scheuerberg

Das Wildleuthäusl auf der Tromm
Koordinaten: 49°36’30.0″N 8°48’23.9″E
Plus Code JR54+8MJ Rimbach

Tourist in Heidelberg

Gestern durch Heidelberg spaziert. Fünfeinhalb Jahre bin ich dort als Studentin Tag für Tag durch die Fußgängerzone gelaufen, zum Politischen Institut am Marstall, zu den Soziologen irgendwo an der Triplex-Mensa, zum Vorlesungsgebäude mit der Überschrift „dem lebendigen Geist“ am Uniplatz, zum psychologischen Institut vorne in der Fußgängerzone, wo Bunsen davor wacht.

Bunsen vor dem psychologischen Institut

Ein schöner Tag war es. Geparkt hatten wir im Neuenheimer Feld, wo die Parkhäuser nicht ganz so teuer sind. Hier waren wir ewig nicht mehr, der beste Ehemann von allen hatte dort mal studiert, aber alles sah anders aus, große Gebäude, Tiefgaragen, Supermärkte, öffentliche Kunst. Wir standen vor dem großen „Mathematikon“ und fragten uns, was da wohl abseits von der mathematischen Fachschaft drin sein mag, denn so viel Platz brauchen die doch nicht, oder?

Auch sonst wurde und wird viel gebaut in Heidelberg, überall Häuser, die abgerissen, neue, die erbaut werden, gesperrte Straßen.

Im Neuenheimer Feld am Mathematikon

Wir sind mit Straßenbahn und Bus zum Königstuhl hochgefahren und dann durch die Wälder hinunter zur Stadt gelaufen. Im Bus spielten zwei junge Mädchen irgendein Ratespiel um Filmpersonen, das ich nicht ganz verstand; später fragten sie um Hilfe, weil sie auch in die Stadt zurücklaufen wollten und nicht recht wussten, wo es langging.

Auch oben am Königstuhl waren viele Menschen, aber kaum hatte uns der Wald verschluckt, waren wir allein.

Das änderte sich kurz vor dem Schloss, wo sich die Massen durch das Burgtor schoben. Auch in der Fußgängerzone so viele Menschen. Immerhin sahen die Läden noch gut aus, zwar nicht mehr so viel alternatives Zeug in Hinterhöfen wie früher, aber auch nicht lauter Ein-Euro-Shops. In der unteren Gasse ein Headshop. Da gab es vor 30 Jahren auch schon einen, wo Studenten und kichernde Odenwälder Halbstarke lange Papierchen kaufen konnten.

Das Heidelberger Schloss

Ich muss gestehen, auch zu Studienzeiten war ich kein eingefleischter Heidelbergfan. Ja, die schöne historische Altstadt, die Landschaft, aber alles wirkte für mich damals künstlich.

Wenn ich an mich im Studium denke, sehe ich mich immer im Herbst oder Winter, wenn der Wind kalt durch die lange Fußgängerzone pfiff und nur wenige Touristen die Stadt erkundeten, wenn alles grau war und trostlos und ich Bauchweh hatte, weil das Mensaessen so schlecht geschmeckt hatte oder ich mich vor dem nächsten Seminar fürchtete. Wobei, ich habe zumindest einige Dinge ganz gern studiert, ging angetan in Veranstaltungen des in Politologenkreisen damals sehr verehrten Professors Klaus von Beyme, bei dem ich zum Glück damals meine Magisterarbeit schrieb. Wir nannten ihn ob seines großen Wissens und des ausladenden Schädels „der Mann mit den zwei Gehirnen“. Manchmal fuhr er mit einer russischen Fellmütze auf dem großen Kopf mit dem Rad zum Institut. Auch bei den Psychologen war ich gerne. Aber es war trotzdem nicht meine beste Zeit im Leben, vielleicht lag es an der schimmligen Einzimmerwohnung in Leutershausen, in der wir damals hausten.

Hier saß ich oft in Vorlesungen

Aber wenn ich mich heute in Heidelberg umsehe, werde ich weder nostalgisch, noch spüre ich das alte Bauchweh. Ich bin Touristin unter zehntausenden Touristen, die alle Sprachen zu sprechen scheinen. Leute rempeln mich an, ich komme mir etwas urig vor mit kurzen Wandershorts und Wanderstiefeln und aufgehauenem Knie, als würde mir auch noch Stroh im Haar hängen. Und ich erkenne, ich bin doch endgültig ein richtiges Landei geworden.

Heidelberg von oben

Pfälzer Sandstein

Typischer Südpfälzer Ausblick: Wald und Sandstein

Wir waren in der südlichen Pfalz, eine Woche mit viel Wandern und viel Weißweinschorle, so nah an der französischen Grenze, dass wir von unserer FeWo dorthin in einem kurzen Spaziergang hinwandern konnten. An manchen Orten wie auf dem Maimont gab es Spuren des Zweiten Weltkriegs, aus den Grenzsteinen hatte man damals das französische F herausgeklöppelt. Aber heute spielt diese „Erbfeindschaft“ zum Glück keine Rolle mehr, man merkt kaum, wenn man die Grenze überfährt. Wie kann das irgendwer wollen, denke ich, hier die Zeit zurückdrehen, Grenzposten, Schranken, Zoll!

Unsere FeWo in einem kleinen Dorf war sehr schön und wurde als LGBTQ-freundlich beworben, was in den verschlafenen Pfalzorten ungewohnt urban wirkte. Ich nehme an, dass sie das Etikett bekommen hat, weil zwei freundliche Frauen das Vermieterpaar waren.

Bis auf kleine Fachwerkorte und das verschlafene Städtchen Dahn gibt es dort genau drei Motive für die Kamera: hohe, steile und nur mit viel Schweißeinsatz zu erklimmende Hügel, dicht bewaldet, darin mehr oder weniger versteckt viele interessante Sandsteintürme, die teilweise Statik und Schwerkraft verhöhnen, und viele kleine und größere Burgen, die den Türmen ähneln oder auf ihnen thronen, in sie hineingehauen, oben auf die Türme hinaufgebaut oder an sie angelehnt worden waren.

Ich habe die Geschichte dieses deutsch-französischen Grenzgebiets noch nicht ganz verstanden, auf den (relativ wenigen) Infotafeln war die Rede von diesem Herrscher und jenem, aber wieso so viele Adelige in die heute so menschenleeren Wälder ihre Burgen bauten, erschließt sich mir nicht ganz.

Trotz Gästebeitrag und vielen schönen, steilen ausgeschilderten Wanderwegen fand ich die Gegend, die nahtlos in die nordfranzösischen Vogesen übergeht, touristisch und auch sonst überraschend wenig erschlossen. Zu einem Supermarkt fährt man ein Stück, Tankstelle dito, viele Geschäfte und Restaurants sind endgültig oder aber (ausgerechnet) jetzt zur Ferienzeit wegen Urlaub geschlossen; wenn es irgendwo Veranstaltungen oder Museen gab, habe ich das online nicht gefunden. In Frankreich schien mehr los zu sein, vor allem rund um die Ruine Fleckenstein.

Das Biosphärenhaus, das ich anschauen wollte, ein Lost Place, ein Doppel-Lost-Place war die Area 1, ein ehemaliges Militärlager, wo wohl auch mal Atomwaffen lagerten. Doppel-Lost-Place, weil das mal vor 15 Jahren eine Art Outdoor-Museum werden sollte, von dem inzwischen auch schon verwitterte oder umgefallene Infoschilder zeugten. Dafür gab es viel Graffiti, irgendwo muss es also auch Dorfjugend geben.

Und so passte es auch zur Waldeinsamkeit, dass ein Unwetter an einem Abend über uns hinwegfegte, die vertrockneten Wiesen wurden weiß unter Hagel, wie wir aus der sicheren Ferienwohnung heraus beobachteten. Der Strom fiel aus und blieb bis tief in die Nacht weg, wir saßen bei Kerzenschein und hörten ein paar Folgen der drei ???, die der Mann noch von meiner letzten Krankheit auf dem Handy gespeichert hatte, damit ich im Fieberwahn etwas anzuhören hatte.

Neben Wandern und Dinge aus Sandstein anschauen habe ich auch recht viel gelesen, unter anderem die Autorin Olga Tokarczuk entdeckt.

Besondere Pfälzer Spezialitäten sind mir nicht untergekommen, von den wirklich immer leckeren Pfälzer Weißweinen mal abgesehen. Aber mit veganen Restaurants oder auch nur Optionen habe ich auch nicht gerechnet.

Für eine Woche Wanderurlaub war es eine schöne Gegend. Das nächste Mal fahre ich aber lieber im Herbst hin, dann ist das Wandern leichter und man kann „Keschde“ sammeln 🙂

Dune

Die letzte Wochen, genauer die letzte Tage, hatten mal wieder ein paar nervige Dinge mit im Gepäck. Ihr wisst schon, solche „oh, hatte ich nicht schon gesagt, dass wir den Zahn ziehen müssen?“ und auch „Uih, das sollte man abklären“-Dinge. Blöde Dinge, nervige Dinge – wenn ich bei irgendetwas ein dünnes Nervenkostüm habe, dann ist das alles rund um das Thema Arzt und Krankheit.

Und wie es so ist, wenn man gestresst ist, kommen auch immer noch gleich ein paar weitere nervige Sachen in Job und sonstwo oben drauf. Aber ich beschäftige mich ja zum Glück lange genug mit Psychologie, damit ich relativ schnell wieder auf die Spur komme. Ein lieber Mann und die allertollsten Freundinnen der Welt sind dabei eine ungeheure Stütze.

Wie auch immer, heute hatten der beste Ehemann und ich Lust, mal außerhalb unserer üblichen odenwaldhügeligen Gefilde zu wandern. Stattdessen steuerten wir eine Landschaft mit Dünen und Kiefernwäldern an, bei der man oft das Gefühl hat, man befindet sich irgendwo an der Ostsee oder gar am Mittelmeer. Aber in Wirklichkeit ist man nur irgendwo zwischen Viernheim und Mannheim.

Dünen wie die hier findet man im Oberrheingraben an einigen Stellen. In Viernheim kann man die Dünen auch deswegen besonders gut sehen, weil das US-Militär hier bis 1994 einen Truppenübungsplatz hatte. Dadurch entstanden freie Flächen, wo der Sand wieder zum Vorschein trat und die eine besondere Vegetation anzogen. Damit diese Flächen nicht weiter verbuschen, werden sie auch beweidet; wir sind heute einer Herde Schafe begegnet.

Entstanden sind die Dünengürtel am Ende der letzten Eiszeit aus Flugsand. Das Naturschutzgebiet Glockenbuckel, von dem ich rede, befindet sich am Westrand von Viernheim und kann gut über den Parkplatz Sandgabe oder Lampertheimer Straße erkundet werden. Es gibt zahlreiche markierte Wanderwege, vor allem rund um den Karlsstern bei Mannheim-Gartenstadt. Dort gibt es ein paar Tiergehege, Gastronomie (glaube ich), einen Vogelpark und Kinderspielplätze. Jetzt am Wochenende war dort dementsprechend viel los, und man hätte sich da auch niederlassen und Mannheimer Originale beobachten können, die da mit Kind und Kegel unterwegs waren.

Interessant in dem Gebiet sind auch Reste der alten Einrichtungen des US-Militärs. So gibt es neben vielen alten Betonresten auch Überreste alter Bunker. Dort sind wir heute nicht hingelaufen, sondern haben uns lieber Hirsche und Vögel am Karlsstern angeschaut. Die Gehege für die Hirsche sind sehr weitläufig, es gab einige Bambis zu sehen. Die Volieren im Vogelpark waren zwar auch eher groß, aber mir tut es dann doch leid, Vögel, besonders Greifvögel, hinter Gittern zu sehen. Ebenfalls interessant sind an der Grenze Hessen (Viernheim) zu Baden-Württemberg (Mannheim) historische Grenzsteine.

Wenn ihr da auch mal laufen wollt – es gibt unendlich viele markierte Wege, denen man folgen kann. Es empfiehlt sich aber manchmal eine Wander-App, wenn man wie wir die schmaleren Pfade bevorzugt. Da alles eben ist, sind Spaziergänge oder Wanderungen dort nicht anstrengend.



Hier beim Geopark und hier beim Regierungspräsidium könnt ihr euch Infoflyer zum Glockenbuckel herunterladen und mehr über das Biotop erfahren.

Sommerleicht

Vor einer Woche war es noch eisheiligenkalt, gestern fühlte es sich an wie Frühling, als ich durch den Wald lief und Maiböcke beim Kämpfen beobachtete, und heute ist Sommer.

25 Grad und mehr im Schatten, die 30 sollen morgen geknackt werden. Und ich atme auf und durch und freue mich, dass alles leichter wird.

Leichter sind schon mal die Klamotten, die ich anhabe, kein riesiger Berg aus Fleecegedöns mehr vor dem Bett, wenn ich schlafen gehe. Leichter die Schuhe, endlich wieder Sandalen, Fußnägel mit geschmacklosem Glitzernagellack und Füße, die sich streifenweise bräunen und immer etwas dreckig sind. Sommerfüße nenne ich das.

Und mit weniger Kleidern und Sandalen ist auch das Wandern noch leichter. Warmer Wind weht mir durch die Haare, es duftet nach wilden Rosen, die sich gerade öffnen, und ich bleibe manchmal begeistert stehen, wenn ich mein liebstes bewegtes Bild in der Natur sehe: Wind, der durch hohes Gras streift. Keine Ahnung, woran es liegt, aber das finde ich wunderbar.

Leichter ist mir auch wieder ums Herz. Ich habe ein paar Arzttermine bewältigt, die mir Bauchschmerzen gemacht hatten, und bei einem auch wieder schwarz auf weiß bestätigt bekommen, dass meine Blutwerte in Ordnung sind, ach was, „langweilig“, wie der Hausarzt meinte. Da meine Eltern beide Diabetiker waren, habe ich vor allem auf den Blutzucker ein Auge. Aber da ist alles perfekt, ich bin er-leichtert.

Heute ist auch eines der großen Volksfeste hier im Tal, jeder Ort hat da sein eigenes, Feste zu Pfingsten, Johanni oder zur Kirchweih. Ich gönne es den Veranstaltern, dass sie mit dem musikalischen Abendprogramm bei dem Prachtwetter sicher erfolgreich sein werden. Und natürlich macht mir mein Arbeitsbesuch dort auch mehr Spaß, wenn es nicht kalt und regnerisch ist. Feiern, gutgelaunte Menschen – auch das ist Leichtigkeit.

Jetzt müsste ich nur noch schauen, dass ich auch körperlich ein bisschen leichter werde und den pfundigen Aufwärtstrend der Wechseljahre wieder umkehre.

Rostig

Ich fotografiere schon seit ziemlich genau 10 Jahren gerne verrostetes Metall. Für mich hat rostiges Metall eine gewisse Grandezza, eine eigene Schönheit im Verfall. So wie glatte Oberflächen beliebig aussehen können, macht Rost, oft entlang alter Narben auf dem Metall, einen Gegenstand einzigartig.

Vielleicht ist das auch so ein „hat mit Ü40 angefangen, als auch ich Patina anzusetzen begann“-Ding bei mir, haha!

Ich bearbeite die Bilder meistens ein wenig, um die Farben hervorzuheben, und wähle einen Bildausschnitt, der mir gefällt. Irgendwie habe ich immer gedacht, damit mache ich mal einen Kunstkalender, am besten kombiniert mit verstörenden und schwermütigen Gedichten über das Altern und den Tod, aber so richtig hat sich das nie konkretisiert.

Deswegen zeige ich einfach mal hier ein paar der schönsten Rostbilder.

Mein erstes Rostbild stammt vom Sommer 2016 und zeigt die Rückseite eines Müllcontainers auf dem Wertstoffhof unserer Kreisstadt.

Ein Eldorado für Rostfotografen war Peenemünde auf Usedom; die Heeresversuchsanstalt aus der Nazizeit ist ein einziges Geroste. Wir waren dort 2018.


Lost places sind natürlich auch ein toller Ort für Rostfotos.

Manchmal reizen mich auch anderer Oberflächen mit Patina, vor allem lackiertes Holz.

Ferienrückblick

Jetzt ist schon wieder der letzte freie Tag. Es ist grau geworden und regnerisch, aber wir hatten wirklich sehr schöne Frühlingstage, und ich konnte, fast wie im Zeitraffer, verfolgen, wie die letzten Mirabellenblütenblätter zu Boden sanken und dann die Kirschen auf- und erblühten. Inzwischen rieseln Kirschblütenblätter und es sind schon die Birnbäume am Start, die Äpfel folgen bald, und die Laubbäume entrollen ihre Blätter. Ich kann zusehen, wie sich das zarte Grün den Trommrücken empor kämpft: ein paar Dutzend Höhenmeter können da schon etwas ausmachen.

Wir hatten uns bewusst in diesen Ferien nicht viel vorgenommen, hatten allerdings geplant, dass wir ein paar Dinge am Haus machen wollten. Das haben wir auch großteils geschafft: der eine Dachziegel ist wieder da, wo er hingehört, die Regenrinne (hoffentlich) richtig abgedichtet, die Vorhangstange im Schlafzimmer ist da, wo sie sein soll, das Balkonkraftwerk hängt am Geländer (wobei wir das schon etwas vorher angeschraubt haben), der Terassenabfluss ist abgedichtet, und die Äste von der letzten Rodungsaktion vor der Brut- und Setzzeit sind fast vollständig in eine Art Benjeshecke eingefügt worden.

Über meine üblichen Spazierrunden hinaus haben wir ein paar Ausflüge gemacht. Wir haben einen Blick auf die renaturierte Weschnitz bei Lorsch geworfen und entdeckt, dass es dort einen wirklich großen „Gränzstein“ gibt. Wir waren am Altrhein, wo wir ebenso viele Störche entdeckt haben wie bei den Reinheimer Teichen.

Wir haben die Familie meines Mannes zu Ostern besucht und sind auch bei meinem Bruder und meiner Schwägerin vorbeigefahren; praktischerweise wohnen die nur 5 Kilometer Luftlinie von einander entfernt.

Auch hatten wir einige Treffen mit Freunden. Besonders schön war der Besuch bei einem Freund auf dessen großem Gartengrundstück, wo wir bei herrlichem Ausblick und einem grandiosen Sonnenuntergang gegrillt haben.

Wir waren auch sonst ein paar Mal mit Freunden unterwegs oder haben welche getroffen. Zum ersten Mal seit Jahren waren wir auch kurz in unserer ehemaligen Schülerkneipe, wobei mich die Mischung aus Fußball-TV, Kippenrauch und gebrülltem Smalltalk nicht so sehr begeisterte.

Ich habe auch einiges gelesen, unter anderem „Tu was! Kurze Anleitung zur Verteidigung der Demokratie“ von Ruprecht Polenz. Das Buch haben mir schon diverse Leute ans Herz gelegt, und ich fand es auch gut und auf den Punkt und wirklich empfehlenswert, gerade für Menschen, die sich noch nicht sehr viel mit Politik und politischen Theorien beschäftigt haben. Nun habe ich den ganzen Krimskrams studiert und bin auch ein bisschen pro-demokratisch unterwegs, daher stand darin für mich nicht viel Neues.

Nett fand ich ein Buch über Yogaweisheiten, das waren vor allem zen-artige Kurzgeschichten. Gerade lese ich mit recht viel Vergnügen „The Firekeeper’s Daughter“ von Angeline Boulley, eine Mischung aus Jugendromanze und Krimi. Ich lerne ja gerne aus Romanen, und in dem Fall vervielfältige ich gerade mein Wissen über die aktuellen Lebensbedingungen der Native Americans in den USA (zu denen auch die Autorin gehört).

Ich habe ein bisschen herumgespielt und mich an Tetrapack-Druck ausprobiert; jetzt sammle ich noch mehr leere Hafermilchpackungen für weitere Versuche.

Ich habe mich mit der Geschichte des kleinsten Ortsteils meiner Heimatgemeinde beschäftigt und ein bisschen dessen Gemarkungsgrenzen umlaufen, soweit möglich. Ich habe den noch vagen Plan, dort auch mal eine Führung oder Exkursion anzubieten. Dazu brauche ich aber noch einigen Input. Sehenswert ist auf jeden Fall dieser Stein von 1888, dessen Buchstaben GB und GH sich nicht auf Gemeinden beziehen, sondern auf die Großherzogtümer Baden und Hessen.

Ich habe mich in den zwei Wochen allerdings auch ein bisschen emotional von Hormonen und Ärgernissen vor mir her treiben lassen. Besonders geärgert habe ich mich über Unstimmigkeiten in meinen heimatforscherischen Kreisen, wo ich mich immer mehr von unwissenschaftlichen Herangehensweisen bedrängt fühle. („Man muss das ganzheitlich sehen! Ich kann erfühlen, was hier passiert war vor 4.000 Jahren!“) Mir fällt dann auch auf, dass ich manchen Mitmenschen offenbar nur schwer vermitteln kann, wieso es mich nervt, wenn man vage historische Spekulationen einfach willkürlich mit irgendwas „belegt“ und dann als Tatsachen verkauft. Wenn ich dann auch noch lese, zur Einordnung einer Felsformation als Kultplatz bemühe man die Quantenphysik, bekomme ich Anfälle. Darüber hatte ich auch was gebloggt, aber dann doch nicht veröffentlicht. Sturm im Wasserglas, wieso darauf Zeit verschwenden.

Nun ja, morgen geht es wieder los mit der Arbeit, heute werde ich noch mal faulenzen und spazieren und noch ein bisschen was lesen …

WmdedgT März

Katzi auf dem alten Radio, das immer noch gut funktioniert

„Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“ (kurz WmdedgT) fragt Frau Brüllen, und das ist meine Antwort:

Es war am 5. März ein ziemlich voller Tag gewesen, dabei hatte ich das relativ typische Arbeitspensum von ein paar Stunden am Morgen und ein paar am Abend – Lokaljournalistenleben.

Der Tag begann wie jeder Tag, an dem in Hessen Schule ist, mit dem Aufstehen um sechs Uhr, da der beste Ehemann von allen an einer Schule arbeitet. Wir stehen immer zusammen auf, genauso wie er abends nicht ins Bett geht, bevor ich heimkomme, auch wenn es mal – Stichwort Fastnacht – spät wird.

Hummus und Bärlauch auf dem Brot

Frühstück mit dem geliebten Bärlauch, dessen Duft mich in der weiteren Bärlauch-Saison ein bisschen umschweben wird. Nach Frühstück und Aufbruch des Mannes machte ich hier meine übliche Runde durch das Haus mit Lüften und Aufräumen; dann fuhr ich den PC hoch und schaute, was so an Mails eingetrudelt war, und klickte mich schnell durch ein paar Seiten und Gruppen. Facebook und Instagram nutze ich nicht mehr, was diesen Schritt beschleunigt.

Ich freute mich über eine ganz gute Honorargutschrift, auch wenn da die Ansprüche in meinem Job nicht sehr hoch sind. Und ich ärgerte mich kurz über die AOK, weil ich ohne Smartphone oder Windows/Mac-PC plus Kartenlesegerät nicht an meine ePA kommen kann. Digitalzwang, kotz.

Damit jeht dit nich!

Danach hatte ich einen Artikel über eine Ausschusssitzung in einem Nachbardorf geschrieben, bei der es vor allem darum ging, nach welchem Schlüssel Bauplätze in einem erweiterten Gewerbegebiet vergeben werden sollen. Das ging recht flott von der Hand. Ich stellte noch einen anderen Artikel fertig und lud beide hoch.

Es folgte eine etwas ausgedehntere Tour durch unseren Haushalt, ich saugte durch, brachte den Müll raus, räumte die Geschirrspülmaschine ein und aus, so das halt. Ein Eiweißshake mit Banane war meine Zwischenmahlzeit, bevor ich noch mal einen Blick in die Online-Nachrichten warf und über das Thema Frauenstreik am 9. März nachdachte. Ich möchte daran teilnehmen, wobei ich ja Freiberuflerin bin, also meine eigene Chefin, und mit meinem werten Gatten beziehungstechnisch nicht hadere. Andererseits kotzt mich das Patriarchat an und all seine Auswüchse von häuslicher Gewalt bis Krieg. Irgendwo in meinem Hinterkopf ist aber die Frage, „darf“ ich das, einfach einen Tag nichts tun? Ich denke drüber nach, woher so ein Gedanke kommt.

Saugen

Dann kurvte ich mit meinem kleinen Auto in der Gegend herum. Ich räumte das öffentliche Bücherregal auf, das wir betreuen, machte für die Zeitung ein paar Bilder, tankte (immerhin habe ich ein Zeitfenster mit etwas weniger als 2 Euro für den Liter Diesel erwischt) und kaufte in einer Drogerie noch eine Packung Eiweißshake. Ich bin ja keine großer Sportlerin, aber als Veganerin ist meine Eiweißversorgung oft etwas dürftig, außerdem machen diese Shakes lange satt.

Ich entschied mich beim täglichen Spaziergang für eine Runde bei einem Mini-Ortsteil, der nur zwei oder drei Häuser umfasst. Die Feldwege waren irgendwie nicht genau da, wo sie meine alte Wanderkarte (noch von meiner Mutter…) vermutete, und so lief ich ein paar Umwege und Schleifen. Das dauerte dann etwas länger als ursprünglich geplant, aber ich hatte keine Eile und genoss die Sonne. Später versuchte ich, ein bisschen etwas über den Drei-Häuser-Ortsteil herauszufinden, wurde aber auf die Schnelle nicht fündig. Agathe, hilf! 😀

Dann war es auch schon bald Zeit für unser spätes Mittagessen. Ich mache immer am Nachmittag etwas Warmes, weil ich einmal am Tag was anderes essen will als Brot oder Nüsse und Kürbiskerne (ich esse beides sehr gerne) und weil ich so nett bin, den Mann zu bekochen, der von der Arbeit kommt. Es gab noch mal Curry vom Vortag, dazu Kimchi.

Den Nachmittag verbrachte ich ansonsten damit, ein altes Heimatkundeheft von 1980 über Odenwälder Trachten zu lesen, das ich in unserem öffentlichen Bücherregal entdeckt hatte. Ich hatte nicht gewusst, dass es im 18. Jahrhundert – also vor Napoleon – Vorschriften der jeweiligen Herrschaft gegeben hatte, was die Leute anziehen dürfen und welche Farben sie tragen dürfen. Bunteres war dabei in der Regel dem Adel vorbehalten, das Bäuerlein musste sich mit Grau und gedeckten Farben begnügen. Die heute bekannten Trachten sind zumindest teilweise „herabgesunkene“ Adels- oder Militärmode und oft nicht so alt, wie viele denken. Die typische lange Männerjacke der Odenwälder Tracht hieß Mutzen oder Motze, und ich fragte mich, ob das was mit motzen von wegen meckern zu tun hat.

Titelbild des erwähnten Heftes

Außerdem las ich noch ein bisschen in dem Roman „Blue Shoes and Happiness“ von Alexander McCall Smith, noch ein Buch über die traditionell gebaute Mma Ramotswe und ihre Freunde.

Dann war es auch schon Zeit für Arbeitseinsatz Nummer zwei. Im Nachbarort war Bauausschuss, und dort wurde zwei Stunden lang erst noch einmal über das Gewerbegebiet diskutiert, das erweitert werden soll; dieses Mal ging es um die baulichen Aspekte. Dann wurde es ganz interessant mit dem „Bau-Turbo“ und der Frage, was dessen Vorgaben für eine Kommune bedeuten und wie die damit umgehen soll.

Auf dem Weg zur abendlichen Schicht

Viertel nach neun war ich dann zu Hause, trank noch ein bisschen alkoholfreies Bier, zappte mit dem Mann durch das TV-Programm und erzählte ihm vom Bauausschuss. Zu spät ging es ins Bett – und das war es dann auch schon mit einem ziemlich vollen und langen Tag.

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