Lesen, Wandern, Palavern

Kategorie: Natur

Die Welt um 4:44

Es ist immer noch heiß, heißer, am heißesten. Heute soll der schlimmste Tag werden mit gefühlten 43 Grad – wohlgemerkt, im Ländlichen, auf einem Hügel, mit Wald drumherum. Nun ja, ich wohne ja ganz in der Nähe jener Region, wo Deutschland anfängt Sahara zu werden oder so ähnlich.

Ich plane meine Tage um das Bedürfnis herum, irgendwie wenigstens für 30 oder 40 Minuten durch den Wald zu laufen. Die meisten Tage schaffe ich es in den Morgenstunden. Wenn es kühler wird, werde ich viel nachzuholen haben. Heute war ich um 8:30 draußen, außer mir vor allem Menschen mit Hunden, die ermattet bei schon 30 Grad durch den Wald torkelten. Ich quatsche ja öfter fremde Leute einfach an, und im Kurzgeplauder mit einer Frau mit Hund verabschiedete die sich mit den Worten, die nächsten zwei Tage müsse man „einfach nur überleben“.

Heute Nacht war ich um vier erwacht und habe die Katze eingesperrt, die nicht nach draußen soll (wir hatten hier eine schlimme Reihe von Katzen-Verschwinderitis vor Jahren, die ich nie aufklären konnte und die ich nicht noch mal erleben will).

Dann alle Fenster und Türen weit aufgerissen Richtung Garten. Und dann lag ich wach auf dem Bett, es war immer noch sehr warm. Draußen hörte ich die ganze Zeit Tiergeschrei und Rascheln im Gebüsch; es könnten junge Wildschweine gewesen sein oder auch ein Rehkitz, das nach der Mutter ruft. Beide Tierarten treiben sich in und um unseren Garten herum.

Gegen fünf schloss ich Türen und Fenster. Davor stand ich müde blinzelnd auf dem Balkon. Es wurde schon langsam hell, und ich sah viele Fledermäuse über den Himmel flitzen. Der Vogelgesang setzte ein, Krähenrufe, weiter das ominöse Tiergeschrei. Und auf einem Hügel stand ein Reh, die schlanke Silhouette zeichnete sich dunkel gegen den heller werdenden Himmel ab. Bis auf das Tiergeschrei war das alles sehr schön. Fotos habe ich keine, das müsst ihr euch also im Kopf zurechtmalen.

Aber allgemein kann ich die Methode „vier Stunden schlafen – eine Stunde wach sein – wieder zwei Stunden schlafen“ nicht empfehlen, wenn man am nächsten Tag fit im Kopf sein will.

Alle Vögel sind schon da

Dieser Winter hat ja angesichts des Klimawandels schon eher ungewohnte Dinge mit sich gebracht wie längere Kältephasen und Schnee. Auch heute kam es noch mal weiß vom Himmel, wobei es sich hier auf 200 Meter über Normalnull schnell in Matschpampe verwandelte. Diese fiel mir dann beim obligatorischen Waldspaziergang mehrmals mit lautem Schmatz von Bäumen auf die Mütze, brrh.

Kohlmeise (oben) und Kleiber

Bevor ich mich vorhin hinauswagte, hatte ich Muße, eine halbe Stunde am Fenster zu sitzen und den Vögeln an unserer Futterstelle zuzusehen. Besonders hübsch ist die Futterstelle nicht, ich gebe es zu. Ein Obstbaum, der eine Pflaume sein sollte, aber nur ungenießbare saure gelbe Kugeln trägt (keine Mirabellen), wurde von mir mit einem Meisenknödelhalter, einem selbstgebauten Sonnenblumenkernefutterspender und Tassen behängt, die ich mit einer Haferflocken-Sonnenblumenkerne-Fett-Mischung befüllt habe.

Aber Ästhetik stört die Piepmätze zum Glück nicht. Ich schaue ihnen gern zu, manchmal assistiert von der freudig schmatzenden Katze. Ich zeige euch mal ein paar Bilder. Sind nicht supertoll, ich weiß, habe mit kleiner Kamera durch die Scheibe fotografiert und es fiel da auch noch recht viel Schnee.

Kohlmeisen sind hier die häufigsten Gäste
Die kleineren Blaumeisen sind viel scheuer als die größeren Kohlmeisen
Rotkehlchen sind recht zutraulich und lassen sich gerne knipsen.
Stare kommen gerne gleich in der Gruppe und verbreiten dann viel Gekreisch und Gezanke
Die Buchfinken beobachten oft lange das Geschehen, bis sie sich näher wagen, Dann sammeln sie auch lieber Futter vom Boden auf.
Auffällig seltener geworden sind die Amseln
Den Vogel kannte ich gar nicht. Es ist eine Heckenbraunelle.

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