Lesen, Wandern, Palavern

Kategorie: WmdedgT

WmdedgT März

Katzi auf dem alten Radio, das immer noch gut funktioniert

„Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“ (kurz WmdedgT) fragt Frau Brüllen, und das ist meine Antwort:

Es war am 5. März ein ziemlich voller Tag gewesen, dabei hatte ich das relativ typische Arbeitspensum von ein paar Stunden am Morgen und ein paar am Abend – Lokaljournalistenleben.

Der Tag begann wie jeder Tag, an dem in Hessen Schule ist, mit dem Aufstehen um sechs Uhr, da der beste Ehemann von allen an einer Schule arbeitet. Wir stehen immer zusammen auf, genauso wie er abends nicht ins Bett geht, bevor ich heimkomme, auch wenn es mal – Stichwort Fastnacht – spät wird.

Hummus und Bärlauch auf dem Brot

Frühstück mit dem geliebten Bärlauch, dessen Duft mich in der weiteren Bärlauch-Saison ein bisschen umschweben wird. Nach Frühstück und Aufbruch des Mannes machte ich hier meine übliche Runde durch das Haus mit Lüften und Aufräumen; dann fuhr ich den PC hoch und schaute, was so an Mails eingetrudelt war, und klickte mich schnell durch ein paar Seiten und Gruppen. Facebook und Instagram nutze ich nicht mehr, was diesen Schritt beschleunigt.

Ich freute mich über eine ganz gute Honorargutschrift, auch wenn da die Ansprüche in meinem Job nicht sehr hoch sind. Und ich ärgerte mich kurz über die AOK, weil ich ohne Smartphone oder Windows/Mac-PC plus Kartenlesegerät nicht an meine ePA kommen kann. Digitalzwang, kotz.

Damit jeht dit nich!

Danach hatte ich einen Artikel über eine Ausschusssitzung in einem Nachbardorf geschrieben, bei der es vor allem darum ging, nach welchem Schlüssel Bauplätze in einem erweiterten Gewerbegebiet vergeben werden sollen. Das ging recht flott von der Hand. Ich stellte noch einen anderen Artikel fertig und lud beide hoch.

Es folgte eine etwas ausgedehntere Tour durch unseren Haushalt, ich saugte durch, brachte den Müll raus, räumte die Geschirrspülmaschine ein und aus, so das halt. Ein Eiweißshake mit Banane war meine Zwischenmahlzeit, bevor ich noch mal einen Blick in die Online-Nachrichten warf und über das Thema Frauenstreik am 9. März nachdachte. Ich möchte daran teilnehmen, wobei ich ja Freiberuflerin bin, also meine eigene Chefin, und mit meinem werten Gatten beziehungstechnisch nicht hadere. Andererseits kotzt mich das Patriarchat an und all seine Auswüchse von häuslicher Gewalt bis Krieg. Irgendwo in meinem Hinterkopf ist aber die Frage, „darf“ ich das, einfach einen Tag nichts tun? Ich denke drüber nach, woher so ein Gedanke kommt.

Saugen

Dann kurvte ich mit meinem kleinen Auto in der Gegend herum. Ich räumte das öffentliche Bücherregal auf, das wir betreuen, machte für die Zeitung ein paar Bilder, tankte (immerhin habe ich ein Zeitfenster mit etwas weniger als 2 Euro für den Liter Diesel erwischt) und kaufte in einer Drogerie noch eine Packung Eiweißshake. Ich bin ja keine großer Sportlerin, aber als Veganerin ist meine Eiweißversorgung oft etwas dürftig, außerdem machen diese Shakes lange satt.

Ich entschied mich beim täglichen Spaziergang für eine Runde bei einem Mini-Ortsteil, der nur zwei oder drei Häuser umfasst. Die Feldwege waren irgendwie nicht genau da, wo sie meine alte Wanderkarte (noch von meiner Mutter…) vermutete, und so lief ich ein paar Umwege und Schleifen. Das dauerte dann etwas länger als ursprünglich geplant, aber ich hatte keine Eile und genoss die Sonne. Später versuchte ich, ein bisschen etwas über den Drei-Häuser-Ortsteil herauszufinden, wurde aber auf die Schnelle nicht fündig. Agathe, hilf! 😀

Dann war es auch schon bald Zeit für unser spätes Mittagessen. Ich mache immer am Nachmittag etwas Warmes, weil ich einmal am Tag was anderes essen will als Brot oder Nüsse und Kürbiskerne (ich esse beides sehr gerne) und weil ich so nett bin, den Mann zu bekochen, der von der Arbeit kommt. Es gab noch mal Curry vom Vortag, dazu Kimchi.

Den Nachmittag verbrachte ich ansonsten damit, ein altes Heimatkundeheft von 1980 über Odenwälder Trachten zu lesen, das ich in unserem öffentlichen Bücherregal entdeckt hatte. Ich hatte nicht gewusst, dass es im 18. Jahrhundert – also vor Napoleon – Vorschriften der jeweiligen Herrschaft gegeben hatte, was die Leute anziehen dürfen und welche Farben sie tragen dürfen. Bunteres war dabei in der Regel dem Adel vorbehalten, das Bäuerlein musste sich mit Grau und gedeckten Farben begnügen. Die heute bekannten Trachten sind zumindest teilweise „herabgesunkene“ Adels- oder Militärmode und oft nicht so alt, wie viele denken. Die typische lange Männerjacke der Odenwälder Tracht hieß Mutzen oder Motze, und ich fragte mich, ob das was mit motzen von wegen meckern zu tun hat.

Titelbild des erwähnten Heftes

Außerdem las ich noch ein bisschen in dem Roman „Blue Shoes and Happiness“ von Alexander McCall Smith, noch ein Buch über die traditionell gebaute Mma Ramotswe und ihre Freunde.

Dann war es auch schon Zeit für Arbeitseinsatz Nummer zwei. Im Nachbarort war Bauausschuss, und dort wurde zwei Stunden lang erst noch einmal über das Gewerbegebiet diskutiert, das erweitert werden soll; dieses Mal ging es um die baulichen Aspekte. Dann wurde es ganz interessant mit dem „Bau-Turbo“ und der Frage, was dessen Vorgaben für eine Kommune bedeuten und wie die damit umgehen soll.

Auf dem Weg zur abendlichen Schicht

Viertel nach neun war ich dann zu Hause, trank noch ein bisschen alkoholfreies Bier, zappte mit dem Mann durch das TV-Programm und erzählte ihm vom Bauausschuss. Zu spät ging es ins Bett – und das war es dann auch schon mit einem ziemlich vollen und langen Tag.

WmdedgT: Wiederbeschaffungszeitwertabschreibung

Ich wollte schon lange mal auf die Frage von Frau Brüllen antworten. Die fragt: „Was machst du eigentlich so den ganzen Tag?“. Nun war gestern ein untypischer (Arbeits-)Tag, aber gut – wieso nicht. Nur habe ich gar keine Bilder gemacht, da müsst ihr jetzt mit leben.

Statt wie sonst um 6 startete der Tag für mich erst um 7:30 Uhr. Der beste Ehemann von allen ist mit einer dicken Erkältung daheim, statt in der Schule zu unterrichten, und ich bin auch etwas unfit. Daher habe ich auch erst einmal keine Termine außer Haus bis Anfang nächster Woche angenommen – ich wusste ja nicht, wie schlimm es wird. Aber vielleicht bin ich dank meiner selbstgebrauten Cistus-Tinktur, die ich mir regelmäßig in den Rachen sprühe (brrrrhhhhhh), nur leicht erkältet.

Da der besagte kränkelnde Mann um 7:30 noch schlief, habe ich erst einmal ein bisschen gelesen. Ich lese gerade die Buchreihe über „The No. 1 Ladies’ Detective Agency“. Die Romane wurden vom Schotten Alexander McCall Smith verfasst, der eine Weile im Süden Afrikas gelebt hat. Ich kann natürlich absolut nicht einschätzen, wie authentisch die Gesellschaft Botswanas in den Büchern wiedergegeben wird, aber die Bücher machen wirklich Freude. Ich finde es erfrischend, Geschichten über Afrika zu lesen, in denen die Probleme des Kontinents (Hunger, Armut, Kriege, AIDS usw.) mal nicht im Vordergrund stehen. Wahrscheinlich ist die Darstellung etwas verkitscht, aber ich hätte große Lust, mich mit der „traditionell gebauten“ (wie sie ihre Körperfülle nennt) Mma Ramotswe auf einen Buschtee auf ihre Veranda zu setzen und zu plaudern.

Als der kranke Mann erwachte, frühstückten wir ausgiebig. Ich hatte keinen Zeitdruck mit der Arbeit, und gemütlich frühstücken und dabei eine Zeitung lesen (aktuell die Süddeutsche am Wochenende, die reicht uns für die ganze Woche) macht mir Freude.

Dann stand ein bisschen Arbeit an. Ich schrieb einen weiteren kleinen Artikel über die anstehende Kommunalwahl in Hessen Mitte März. Dabei konzentrierte ich mich auf das Thema Briefwahl. Ich telefonierte kurz mit einem der Wahlleiter hier, wann denn die Wahlbenachrichtigungen bei den Bürgerinnen und Bürgern zu erwarten sind.

Ich kommunizierte außerdem kurz mit Mitgliedern meiner Demokratiegruppe darüber, ob ihnen meine Ankündigung für unsere nächste Veranstaltung zusagt. Wir machen am 21. Februar wieder eine „Musik-und-Talk“-Veranstaltung. Praktischerweise hat die Familie einer unserer Aktiven eine alte Dorfwirtschaft mit Saal, wo wir hin und wieder zu demokratischen Veranstaltungen einladen können. Ich selbst kümmere mich in der Gruppe vor allem um die Pressearbeit; auf der Bühne stehen muss ich nicht, gehe aber bei Dmeos auch mal für 3 Sätze ans Mikro, wenn es gewünscht wird.

Außerdem antwortete ich kurz auf die Mail eines Freundes, dem es nicht gut geht. Und ich schrieb eine Nachricht an die Mieter unserer vermieteten Einliegerwohnung, dass wir uns doch bitte zeitnah gemeinsam ein Problem in deren Wohnung anschauen sollten, das laut ihnen schon seit zwei Wochen besteht. Warum erfahre ich das dann erst jetzt?, denke ich und seufze.

Dann machte ich mich noch einmal auf, um ein paar Dinge zu erledigen. Ich brachte ein Ersatzteil, das mein Mann im Internet erworben hatte, zu der Werkstatt, wo gerade sein Auto steht. Danach kaufte ich ein paar Kleinigkeiten im Edeka ein und drehte eine Runde im Wald. Der tägliche Spaziergang muss bei mir ja sein.

Wieder daheim warf ich die mitgebrachten veganen Fischstäbchen (die sicher irgendwie anders heißen müssen inzwischen) in die Pfanne. Solche Fertiggerichte kaufe ich eigentlich nur, wenn sie in der „Nimm mich mit, mein MHD läuft bald ab“-Kiste liegen. Dazu gab es eine Art Imam Bayildi („Der Imam fällt in Ohnmacht“, besteht vor allem aus Auberginen in Tomaten geschmort) und Bulgur. Türkei meets Tofu-Nordsee oder so.

Gegen Abend schaute ich mir ein Livevideo des Bürgermeisters einer Nachbarkommune an und machte mir Notizen für einen Artikel. Es ging dabei um die drastische Erhöhung der Wasserpreise dort; das Thema hat es sogar in überregionale Nachrichten und ins TV geschafft. Bei dem Video konnten sich Bürger dazuschalten oder in den Kommentaren Fragen stellen, sehr modern das alles. Zentral war ein längeres Referat über Gebührenkalkulation. Ich konnte dem Vortrag dank 14 Jahren Berichterstattung über Kommunalpolitik durchaus folgen, habe aber mit „Wiederbeschaffungszeitwertabschreibung“ doch noch einen neuen Begriff gelernt, der bei Scrabble gut Punkte bringen dürfte.

Später machte ich es mir mit dem besten Ehemann von allen auf dem heimischen Sofa gemütlich. Erst schauten wir quer in Bayern drei, dann noch ein paar Folgen der neuen Ghosts-Staffel. Und dann gingen wir schlafen.

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