Jetzt ist schon wieder der letzte freie Tag. Es ist grau geworden und regnerisch, aber wir hatten wirklich sehr schöne Frühlingstage, und ich konnte, fast wie im Zeitraffer, verfolgen, wie die letzten Mirabellenblütenblätter zu Boden sanken und dann die Kirschen auf- und erblühten. Inzwischen rieseln Kirschblütenblätter und es sind schon die Birnbäume am Start, die Äpfel folgen bald, und die Laubbäume entrollen ihre Blätter. Ich kann zusehen, wie sich das zarte Grün den Trommrücken empor kämpft: ein paar Dutzend Höhenmeter können da schon etwas ausmachen.

Wir hatten uns bewusst in diesen Ferien nicht viel vorgenommen, hatten allerdings geplant, dass wir ein paar Dinge am Haus machen wollten. Das haben wir auch großteils geschafft: der eine Dachziegel ist wieder da, wo er hingehört, die Regenrinne (hoffentlich) richtig abgedichtet, die Vorhangstange im Schlafzimmer ist da, wo sie sein soll, das Balkonkraftwerk hängt am Geländer (wobei wir das schon etwas vorher angeschraubt haben), der Terassenabfluss ist abgedichtet, und die Äste von der letzten Rodungsaktion vor der Brut- und Setzzeit sind fast vollständig in eine Art Benjeshecke eingefügt worden.

Über meine üblichen Spazierrunden hinaus haben wir ein paar Ausflüge gemacht. Wir haben einen Blick auf die renaturierte Weschnitz bei Lorsch geworfen und entdeckt, dass es dort einen wirklich großen „Gränzstein“ gibt. Wir waren am Altrhein, wo wir ebenso viele Störche entdeckt haben wie bei den Reinheimer Teichen.

Wir haben die Familie meines Mannes zu Ostern besucht und sind auch bei meinem Bruder und meiner Schwägerin vorbeigefahren; praktischerweise wohnen die nur 5 Kilometer Luftlinie von einander entfernt.

Auch hatten wir einige Treffen mit Freunden. Besonders schön war der Besuch bei einem Freund auf dessen großem Gartengrundstück, wo wir bei herrlichem Ausblick und einem grandiosen Sonnenuntergang gegrillt haben.

Wir waren auch sonst ein paar Mal mit Freunden unterwegs oder haben welche getroffen. Zum ersten Mal seit Jahren waren wir auch kurz in unserer ehemaligen Schülerkneipe, wobei mich die Mischung aus Fußball-TV, Kippenrauch und gebrülltem Smalltalk nicht so sehr begeisterte.

Ich habe auch einiges gelesen, unter anderem „Tu was! Kurze Anleitung zur Verteidigung der Demokratie“ von Ruprecht Polenz. Das Buch haben mir schon diverse Leute ans Herz gelegt, und ich fand es auch gut und auf den Punkt und wirklich empfehlenswert, gerade für Menschen, die sich noch nicht sehr viel mit Politik und politischen Theorien beschäftigt haben. Nun habe ich den ganzen Krimskrams studiert und bin auch ein bisschen pro-demokratisch unterwegs, daher stand darin für mich nicht viel Neues.

Nett fand ich ein Buch über Yogaweisheiten, das waren vor allem zen-artige Kurzgeschichten. Gerade lese ich mit recht viel Vergnügen „The Firekeeper’s Daughter“ von Angeline Boulley, eine Mischung aus Jugendromanze und Krimi. Ich lerne ja gerne aus Romanen, und in dem Fall vervielfältige ich gerade mein Wissen über die aktuellen Lebensbedingungen der Native Americans in den USA (zu denen auch die Autorin gehört).

Ich habe ein bisschen herumgespielt und mich an Tetrapack-Druck ausprobiert; jetzt sammle ich noch mehr leere Hafermilchpackungen für weitere Versuche.

Ich habe mich mit der Geschichte des kleinsten Ortsteils meiner Heimatgemeinde beschäftigt und ein bisschen dessen Gemarkungsgrenzen umlaufen, soweit möglich. Ich habe den noch vagen Plan, dort auch mal eine Führung oder Exkursion anzubieten. Dazu brauche ich aber noch einigen Input. Sehenswert ist auf jeden Fall dieser Stein von 1888, dessen Buchstaben GB und GH sich nicht auf Gemeinden beziehen, sondern auf die Großherzogtümer Baden und Hessen.

Ich habe mich in den zwei Wochen allerdings auch ein bisschen emotional von Hormonen und Ärgernissen vor mir her treiben lassen. Besonders geärgert habe ich mich über Unstimmigkeiten in meinen heimatforscherischen Kreisen, wo ich mich immer mehr von unwissenschaftlichen Herangehensweisen bedrängt fühle. („Man muss das ganzheitlich sehen! Ich kann erfühlen, was hier passiert war vor 4.000 Jahren!“) Mir fällt dann auch auf, dass ich manchen Mitmenschen offenbar nur schwer vermitteln kann, wieso es mich nervt, wenn man vage historische Spekulationen einfach willkürlich mit irgendwas „belegt“ und dann als Tatsachen verkauft. Wenn ich dann auch noch lese, zur Einordnung einer Felsformation als Kultplatz bemühe man die Quantenphysik, bekomme ich Anfälle. Darüber hatte ich auch was gebloggt, aber dann doch nicht veröffentlicht. Sturm im Wasserglas, wieso darauf Zeit verschwenden.

Nun ja, morgen geht es wieder los mit der Arbeit, heute werde ich noch mal faulenzen und spazieren und noch ein bisschen was lesen …