Über diesen Blogpost von Angela bin ich auf diese Blogparade gestoßen und dachte, da kann ich ja was zu erzählen.

Erst einmal – ich bin in manchen Dingen, wie sich über die Jahrzehnte feststellen konnte, erstaunlich fix. Ich bin definitiv keine Reisende, ich habe nie weiter als rund 20 Kilometer von meinem Elternhaus entfernt gewohnt. Ich lebe seit Jugendtagen mit meinem Mann zusammen, und mein hoher Wiedererkennungswert kommt nicht zuletzt daher, dass ich seit Schulzeiten Haarfarbe und Frisur (oder eher: Nicht-Frisur) nie geändert habe. Autos fahre ich, bis sie auseinanderbrechen, und auch Möbel können bei mir so lange herumstehen, bis sie wieder modern werden.
Aber natürlich gab es in meinem Leben auch einige Neuanfänge, im Kopf, die hier ein bisschen zu privat sind, aber auch beruflich. So bin ich seit 14 Jahren freie Journalistin, hatte das aber eigentlich nie geplant.

Was hatte ich geplant? Gute Frage. „Mein Geld mit Schreiben verdienen“ war schon in der Jugend eine Idee, aber ich hatte da noch Sylvia-Plath-Gedichte und Romane im Auge und ein aufregendes, kurzes Dichterleben. Bis das aus mir hervorbrechen sollte, studierte ich Sachen, die mich interessierten: Politik, Soziologie, Psychologie. Und danach machte ich ein Praktikum, immer noch getreu dem Motto Schreiben, bei einer Mitarbeiterzeitung in einem Automobilkonzern. Das war auch sonst eine aufregende und auch schlimme Zeit (unter anderem starb damals mein Vater) und es war sehr lehrreich. Nach den sieben Monaten wusste ich: PR-Frau in einem Konzern, das ist nichts für mich. Starre Hierarchien passen zu mir nicht. Dabei hatte man mir, wieso auch immer, eine Weiterbeschäftigung angeboten.
Stattdessen landete ich mit etwas Glück bei einem Promotionsstipendium rund um das Thema Nationalsozialismus. Das war natürlich nett, an einer Doktorarbeit herumzuschreiben und dafür bezahlt zu werden. Aber ich merkte während der Zeit, dass auch die akademische Forschung und vor allem die dort ebenfalls sehr zementierten Hierarchien und Abhängigkeiten nichts für mich sind.

Die Jahre darauf tat ich allerlei, hatte diesen und jenen Neben- oder Minijob, schrieb einen Krimi, beschäftigte mich mit Themen außerhalb des Arbeitslebens, und pflegte zusammen mit meinem Mann jahrelang meine an Demenz erkrankte Mutter.
Zwei Frauen, mit denen ich privat etwas zu tun hatte, waren freie Mitarbeiterinnen bei einer der Tageszeitungen hier; eine schrieb, die andere fotografierte. Als meine Mutter ins Pflegeheim kam und gleichzeitig ein Bürojob von mir auslief, ich also arbeitslos war, ließ ich mich darauf ein, das mal zu probieren. Das war wirklich ein Sprung ins kalte Wasser. Ich hatte, abseits von der erwähnten Mitarbeiterzeitung und ein paar Beiträgen für Schülerzeitungen, nie irgendetwas Presserelevantes getan. Aber die Redaktion drückte mir einen Stapel der Zeitung in die Hand, um mich ein bisschen zu orientieren, wie man das macht, und eine Liste mit ersten Terminen wie ein christliches Chorkonzert und etwas mit einem Treffen von Heimatvertriebenen. Ich gab mein Bestes. Nach ein paar Wochen fragte ich den betreuenden Redakteur, ob meine Artikel OK seien. „Nein“, meinte der. „Die sind gut.“

Und so weitete ich mein Arbeitsfeld auf so ziemlich alles außer Sport aus. Nach ein paar Jahren begann ich auch zu fotografieren. Ich übernehme inzwischen vor allem Aufträge im Bereich Kommunalpolitik, weil das zum einen viele nicht machen möchten, zum anderen finde ich das interessanter und wichtiger als Konzerte und Flohmärkte. Außerdem habe ich, zeitweise recht intensiv, für ein kleines Monatsmagazin hier gearbeitet.
Der Start war bei all dem gar nicht so einfach. Ich war damals zum ersten und letzten Mal im Leben einige Monate Arbeitslosengeldempfängerin. Die Summe war niedrig, aber immerhin war ich krankenversichert. Als ich in das Freiberuflertum einstieg, strich mir das Amt sofort alle Zahlungen, obwohl ich ja die ersten Wochen und Monate nur kleine Beträge einnahm. Zum Glück war die AOK kulant, mich in der Übergangsphase zwischen Amt und Künstlersozialkasse weiterlaufen zu lassen. Künstlersozialkasse ist auch eine tolle Sache, wer es nicht kennt: Als Künstler:in (ja, ich bin offiziell Künstlerin, wie toll ist das denn?) kann man sich dort versichern und muss bei der Krankenkasse nur die Arbeitnehmerbeiträge zahlen; außerdem zahlt man in die Rentenversicherung ein.

Ich mag meinen Job sehr, weil er für mich die perfekte Balance zwischen Freiheit und Sicherheit ist. Mir liegt es, mich jeden Tag mit anderen Dingen zu beschäftigen und in neues einzuarbeiten. Es tut einfach gut, bei der Arbeit ständig Menschen zu treffen, die sich (oft ehrenamtlich) engagieren, ob nun kommunalpolitisch, in einem Verein oder anderswo. Ich führe oft gute Gespräche. Und meine Buchhaltung inklusive der Aufgabe, die Steuertermine im Auge zu behalten, fällt mir leicht.
Auch das Schreiben selbst geht mir leicht von der Hand. Klar hat der Job und mein Berufsleben generell auch Nachteile. Das sehe ich jedes Mal, wenn ich auf den Schrieb der Rentenkasse schaue, und merke es, wenn sich eine Diskussion in einem Ausschuss um 22 Uhr festgebissen hat.
Was Unterstützung angeht: natürlich hat mein Mann diese Entscheidung mitgetragen. In unserer Beziehung bereden wir alles, aber es wäre für mich schwer vorstellbar, dass mir mein Partner sagt, was ich beruflich machen soll und was nicht. Am meisten unterstützt hat mich aber mein Wunsch, zu schreiben und dabei so frei zu sein wie möglich und dennoch zu wissen, dass jeden Monat was Geld auf mein Konto kommt.
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