
Ein großer Vorteil des öffentlichen Bücherregals, das wir betreuen, ist, dass ich immer wieder an Bücher gerate, die ich mir jetzt nicht einfach so gekauft oder in der Stadtbücherei ausgeliehen hätte. So auch dieses schöne Buch, das ich mit viel Freude gelesen habe.
Worum geht es?
Ingwer, Ende 40, kommt für ein Sabbatical zurück zu Mudder und Vadder nach Brinkebüll, einem fiktiven norddeutschen Dörfchen unweit der Nordsee, wo man noch Platt schnackt, zumindest die Alten. In Kiel, wo Ingwer inzwischen lebt, ist er Uniprofessor und lebt in einer etwas freudlos wirkenden polyamorösen Beziehung. Im Dorf ist er wieder der Junge. In einem ruhigen, aber nie langweiligen Tempo bekommt man Einblick in die Dorfgeschichte mit ihren amüsanten, aber auch tragischen Momenten, und man erlebt mit, wie sich ein Dorf über die Jahrzehnte verändert hat, modern geworden ist, aber auch vieles verloren hat. Auch über Ingwer und seine Familie erfährt man immer mehr, hat die doch einige (dunkle?) Geheimnisse.
Was hat mir gefallen?
Besonders angerührt hat mich in dem Buch, wie liebevoll die Autorin mit ihren Figuren umgeht. Sie schreibt sie immer respektvoll, oft zärtlich. Sehr schön dabei das Plattdeutsch, das, dezent eingesetzt, auch von mir als Süddeutscher gut verstanden wird (und ein paar Erinnerungen weckt an eine schöne Gruppenreise auf eine Hallig vor über 20 Jahren). Ebenso sprachgewandt wie die handelnden Personen wird auch die Landschaft beschrieben, genau, poetisch, manchmal gefühlvoll, manchmal amüsant, aber nie verkitscht. Eine sehr schöner und zeitgemäßer Roman zum Thema Heimat, Familie und Wandel.
Von der Autorin werde ich noch mehr lesen! Ihr erstes Buch ist schon bestellt.
Ich sehe auch gerade, dass es einen Film zum Buch gibt. Den könnte man ja mal schauen, denke ich.
Schreibe einen Kommentar