Allein allein

Ich allein im Harz

Letzte Woche war ich für sechs Tage im Harz und es war schön. Ich hatte mich dort 2–3 Tage mit einer Freundin getroffen, und spontan hatte ich noch gut drei Tage früher das Ferienhaus gebucht, um mal ein paar Tage allein Urlaub zu machen. Das habe ich vorher noch nie; ich war als Kind mit den Eltern weg, später mit Freund*innen, mit Jugendgruppen und der Klasse, natürlich oft und viel mit meinem Partner und heutigem Mann, und ich war vor rund 20 Jahren häufiger bei Frauentreffen. Aber ganz allein? Ehrlich gesagt hatte ich schon Respekt vor meiner Entscheidung. Aber vor Ort war alles prima, und ich habe das Alleinsein nicht nur ertragen, sondern genossen, auch wenn ich meinen Mann ziemlich vermisst habe. Aber es war für mich toll, mich mal im Urlaub nach niemandem richten zu müssen, einfach zu machen, was ich will.

Was schön war
Die Stadt Goslar ist sehr schön mit seinen vielen alten Häusern und interessanten Fassaden. Es gibt dort viel zu sehen, ich war dabei nur in drei der vielen Museen dort. Superpraktisch für Bahnreisende: Mit der Gästekarte kann man im ganzen Harz kostenlos den Nahverkehr benutzen. Das habe ich eifrig gemacht.

Was spannend war
Viel Freude hatte ich bei einer Tour allein durch das Okertal. Ich hatte, da ich das Gelände nicht kenne und keine mobilen Endgeräte für die Navigation besitze, den harmlosen Weg am Ufer der Oker entlang gewählt. Der war dann aber auch schon eine nette Tour mit tollen Ausblicken.

Was überraschend war
Ich wusste ja, dass der Borkenkäfer im Harz gewütet hat, und so war ich auch nicht überrascht, viele tote Bäume und kahle Hänge zu sehen. Aber das war nicht so schlimm, wie ich gedacht hatte, denn überall sah man auch schon das frische Grün – neue Nadelbäume, aber auch viel Birke, Ahorn usw., die sich breit machen. Ich bin neugierig, wie es dort in 20 Jahren aussieht.

Am Liebesbankweg Hahnenklee

Was inspirierend war
Ich hatte in Goslar auch das Mönchehaus besucht, ein Museum für moderne Kunst. Dort wurden gerade Werke von Gabriele Stötzer ausgestellt, die den Kaiserring der Stadt – eine Auszeichnung für moderne Kunst – erhalten hatte. Das hatte ich ein paar Tage vorher zufällig im TV gesehen und mir daher die Ausstellung angesehen. Ich fand ihre Werke sehr inspirierend. Und das Tollste: Plötzlich herrschte eine gewisse Unruhe, und die Künstlerin kam vorbei, wahrscheinlich für ein Interview. Vielleicht ein Zeichen, dass ich mich mal wieder mehr mit Kunst beschäftigen sollte.

Was deprimierend war
Ich bin ein großer Luchsfan, und daher war ich auch beim Luchsgehege Rabenklippe bei Bad Harzburg. Aber das war nicht, wie ich dachte, ein riesiges Freigehege, wo Luchse auf ihre Auswilderung warten, sondern eher zwei Gehege wie in einem Zoo, sprich nicht besonders groß und von hohen Zäunen mit Stacheldraht oben drauf umgeben wie eine JVA. Mindestens ein Luchs strich ständig den Zaun entlang, das tat mir weh zu sehen. Sehr genervt haben mich die Menschenhorden, die zur Fütterung anrückten. Kinder kreischten, Leute fotografierten mit Blitz, überhaupt viel Rummel vor dem Gehege. Ein paar ältere Tiere nahmen das stoisch, der Rest verkrümelte sich. Ich verkrümelte mich auch vor der Fütterung, weil ich wusste, dass noch eine Busladung Leute anrückte und mir das schon vorher zu viele Leute waren.

Was für mich überflüssig war
Auf dem Brocken war ich übrigens nicht. Die Zugfahrt war mir viel zu teuer, und die Wanderungen allein zu lang und ohne Auto (lange Busanreise, man muss dann ja auch den Bus zurück erwischen usw.) doch etwas zu riskant.

Der Brocken